Bochum (dpa) - Auf eine Strichliste hat Friedhelm Funkel in den vergangenen Jahren verzichtet, ein wenig stolz ist der Trainer auf seine Bilanz aber dennoch. Mit seinem 1080. Einsatz als Spieler oder Trainer in der Bundesliga und der 2. Liga kann Funkel den Rekord von Otto Rehhagel einstellen.

«Ich hatte nie im Entferntesten darüber nachgedacht, irgendwann mal 1000 Spiele im bezahlten Fußball zu machen. Die Statistik ist ein schönes Beiwerk zu den ganzen tollen Stunden, die ich erlebt habe», sagt der Coach des Zweitligisten VfL Bochum. Mit dem Auswärtsspiel am 27. September gegen Fortuna Düsseldorf wird der 56 Jahre alte Funkel den Rekord von «König Otto» einstellen.

Mit einer Rückkehr des 72-jährigen Rehhagel in den deutschen Profifußball ist nach dessen Ausscheiden als Nationaltrainer Griechenlands vor rund drei Monaten nicht zu rechnen. «Dauerbrenner» Funkel verspürt dagegen alles andere als Amtsmüdigkeit. «Ich arbeite unglaublich gerne in der Bundesliga. Solange ich gesund bleibe, will ich meine Schaffenskraft weiter in den Fußball investieren», sagte der gebürtige Neusser in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Seine Karriere begann er 1974 bei Bayer 05 Uerdingen in der 2. Bundesliga-Nord, schon ein Jahr später stieg er mit dem Krefelder Club erstmals in die Bundesliga auf und gewann mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1985 seinen einzigen Titel.

472 Spiele hat Funkel als Mittelfeldspieler für Uerdingen und Kaiserslautern absolviert, ehe er 1991 seine Trainerlaufbahn begann. Bei seinen ehemaligen Clubs MSV Duisburg (46 Monate) und Eintracht Frankfurt (60 Monate) ist er immer noch Rekordhalter mit der längsten Amtszeit. Dies sei ein Ausdruck von Kontinuität und Vertrauen, zudem habe er sich aber stets in seiner Arbeit weiterentwickelt. «Viele Dinge, die früher gut waren, sind auch heute noch gut. Einiges hat sich aber in der Trainingsmethodik verändert, dem habe ich Rechnung getragen», sagt Funkel. Mit Uerdingen, Duisburg, Köln und Frankfurt feierte er insgesamt fünf Aufstiege in die Bundesliga.

Die genaue Anzahl der Bundesligaspiele hat allerdings Fußnoten. In einigen Statistiken werden Rehhagel nur 1076 Einsätze zugerechnet, weil der Essener 1975 als Trainer der Offenbacher Kickers für vier Partien gesperrt war. Opta, der offizielle Statistik-Dienstleister der Deutschen Fußball Liga (DFL), schreibt Rehhagel diese Spiele aber gut, weil er trotz Sperre für Taktik, Aufstellung und Training während der Woche zuständig war.

Auch Funkel kennt sich mit derlei Strafen aus. 1998 wurde der damalige MSV-Coach für ein Spiel gesperrt, weil er Schiedsrichter Hellmut Krug beschimpft hatte. Die 30 Einsätze, die Rehhagel vor der Bundesliga-Gründung in der Saison 1960/61 für RW Essen in der Oberliga West als damals höchster Spielklasse absolvierte, sind in der Statistik nicht vermerkt. Für den gelernten Maler und Lackierer werden 879 Partien als Trainer und 201 als Spieler in Deutschlands Bundesligen verbucht.

Für Funkel, der am 2. Oktober im Heimspiel gegen Fürth vom VfL Bochum für seinen Rekord geehrt werden soll, ist das zweitrangig. «Wichtig sind mir die drei Punkte im nächsten Match», sagt er und hofft, dass er demnächst mal wieder einen Aufstieg feiern kann. Trotz des Pokalsiegs von 1985 verbindet er mit dem Uerdinger Bundesliga- Aufstieg 1992 sein emotionalstes Erlebnis: «Auf St. Pauli reichte uns am letzten Spieltag ein 0:0. Hätten wir verloren, wäre Oldenburg aufgestiegen. Das war ein großer Moment.»