München (dpa) - Verkehrte Fußball-Welt im Topspiel: Die großen Bayern gehen ausnahmsweise nicht als turmhoher Favorit, sondern als zum Siegen verdammter Herausforderer ins Heimspiel gegen Seriensieger FSV Mainz 05.

Und die furiose «Boy Group» des bundesweit bestaunten Trainer-Aufsteigers Thomas Tuchel will am Samstag auch in der ausverkauften Münchner Arena frech und forsch aufspielen. «Ich habe ein gutes Gefühl», verkündete Tuchel, der hofft, «dass wir uns auch gegen die größte Hausnummer im deutschen Fußball trauen zu zeigen, wie weit wir sind».

Bei sieben Punkten Rückstand auf den Überraschungs-Spitzenreiter muss Bayern-Präsident Uli Hoeneß schon fast das Fernglas zücken, mit dem er sonst so gerne von oben auf die Verfolger herabblickt. Jetzt ist es umgekehrt, Bayern ist nach fünf Spieltagen nur Achter und zeigt Respekt vor dem imposant gestarteten Gegner. «Fünf Siege, das ist kein Zufall. Die haben Qualität», erklärte Ivica Olic.

Nach dem erlösenden Last-Minute-Sieg in Hoffenheim ist aber auch das Mia-san-mia-Gefühl der Bayern wieder intakt. «Jetzt sind wir wieder voll dabei», tönte Nationalspieler Thomas Müller und ergänzte: «Mainz hat die bessere Form, aber wir haben den besseren Kader.»

Genau das muss der deutsche Meister am 6. Spieltag beweisen. Es gilt, nach dem Ausfall von Arjen Robben auch noch den Verlust von Franck Ribéry wegzustecken. «Es ist extrem bitter, dass er jetzt ausfällt», klagte Torhüter Jörg Butt angesichts der Sprunggelenks-Blessur von Ribéry, der wohl bis Ende Oktober ersetzt werden muss.

Ohne «Robbéry» muss Trainer Louis van Gaal das Team umbauen und womöglich auch das Spielsystem verändern. Der wuselige Angreifer Olic, der wie beim 2:1-Erfolg gegen Hoffenheim als zweite Spitze neben Miroslav Klose fungieren könnte, erwartet auf jeden Fall «eine andere Spielcharakteristik ohne die schnellen Leute auf den Seiten».

Vier Spiele, vier Siege - bislang ist die Münchner Heimbilanz gegen Mainz makellos. Aber aktuell schwebt die FSV-Truppe um die famosen Youngster wie Lewis Holtby (20) und André Schürrle (19) auf einer Woge der Begeisterung. Der von Schalke ausgeliehene Holtby versprach: «Wir bleiben auf dem Boden.» Ein Wunder sei der Höhenflug keineswegs, so Holtby: «Unser Spiel ist harte Arbeit.» Und Tuchel findet bei seinem wild anmutenden Personalwechsel bislang stets die richtige Mischung - mal sehen, was ihm in München so einfällt.