Berlin (dpa) - Haltlose Spekulation, fieser Immobilienpoker und fragwürdige Kredite: Wer dabei nur an die jüngste Finanzkrise denkt, liegt falsch. Seit 75 Jahren lockt das Brettspiel «Monopoly» alle, die ihre besten Freunde lustvoll in den Ruin treiben wollen.

Für einen neuen «Monopoly»-Rekord muss ein passionierter Spieler heute mehr riskieren als Spielgeld. Eine 99- Stunden-Partie in der Badewanne ist schon registriert, 200 Stunden Balanceakt auf dem Schwebebalken sind abgehakt. Wenige Jahre nach der Weltwirtschaftskrise in den USA kam das populäre Brettspiel auf den Markt und trat einen Siegeszug um die Welt an. Heute ist es in 111 Ländern und 43 Sprachen zu bekommen.

Einen einzigen Geburtstag gibt es für «Monopoly» allerdings nicht: Der Patent-Antrag wurde Ende August 1935 eingereicht und das Patent für das Spielbrett schließlich am 31. Dezember des Jahres erteilt.

In Deutschland gehört «Monopoly» nach «Mensch ärgere dich nicht» noch immer zu den bekanntesten Brettspielen. Das Jubiläum feiert der Verlag an diesem Mittwoch auf dem Berliner Alexanderplatz. 75 Minuten lang können Spieler dann die neueste Ausgabe mit rundem Spielbrett mit «Monopoly»-Spielgeld bezahlen.

Es gibt nur zwei Staaten auf der Welt, die bis heute einen antimonopolistischen Schutzwall errichtet haben: Nordkorea und Kuba. Vertrieb und Verkauf des Spiels seien dort immer noch offiziell verboten, heißt es beim Hasbro-Verlag in den USA, der heute die Rechte an «Monopoly» besitzt. Andere Bastionen des Antikapitalismus sind umgefallen wie Dominosteine. Glasnost und Perestroika brachten das Spiel 1988 in die Sowjetunion und kurze Zeit später in andere osteuropäischen Staaten. Inzwischen gibt es auch eine China-Ausgabe.

1935 ahnte der arbeitslose US-Heizungsbauingenieur Charles Darrow noch nicht, dass sein Spiel einmal eine politische Geschichte bekommen würde. Lange fand er noch nicht einmal einen Verlag für seine Spielidee, die im Freundeskreis so gut ankam: Ein Brett mit dem stilisiertem Stadtplan des beliebten Ausflugsziels Atlantic-City südlich von New York. Mit Würfelglück und Taktik macht es Spieler zu reichen Immobilienbesitzern, mit Pech zu insolventen Opfern von Wuchermieten. Dazu kommen neben dem «Gefängnis» Spielfelder oder Ereigniskarten, die später im Deutschen zu geflügelten Worte geworden sind - etwa «Gehen Sie (nicht) über Los.»

Heute ist umstritten, ob Darrow wirklich die Ehre des Spielerfinders gebührt. Es gab Gerichtsprozesse um Vorläufer-Spiele mit ähnlichem Aufbau. Belegt ist aber, dass sich Darrow Ende 1935 sein Spiel mit dem klangvollen Namen patentieren ließ und die Rechte an der Parker-Verlag verkaufte. In den Monaten zuvor hatte er rund 5000 selbst gebastelte Versionen an Spielzeugläden verkauft.