Moskau (dpa) - Erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS ist die Rückkehr von Besatzungsmitgliedern zur Erde verschoben worden. Technische Probleme bei der Abkopplung der russischen Sojus-Kapsel von der ISS hätten den geplanten Start in der Nacht zum Freitag verhindert.

Das teilten die Raumfahrtbehörden Roskosmos und NASA mit. Für die insgesamt sechs Besatzungsmitglieder bestehe keine Gefahr, sagte Roskosmos-Chef Anatoli Perminow. Ein neuer Versuch soll frühestens in der Nacht zum Samstag unternommen werden.

Nach NASA-Angaben ist das Abdocken nun für 4.02 Uhr MESZ geplant. Die Landung in Kasachstan soll dann zwischen 7.20 Uhr und 7.30 Uhr erfolgen. Hingegen meldete die Agentur Itar-Tass unter Berufung auf namentlich nicht genannte Roskosmos-Mitarbeiter, dass sogar eine Verschiebung um zwei Tage möglich sei. Sollte das Manöver erneut misslingen, könnten die Raumfahrer bei einem dritten Versuch den Verbindungshaken manuell lösen, hieß es. Im Notfall könne von der Erde aus ein neues Raumschiff geschickt werden, das die zwei russischen Kosmonauten Alexander Skworzow und Michail Kornijenko sowie die US-Astronautin Tracy Caldwell Dyson abhole.

Es ist die zweite ISS-Panne innerhalb kurzer Zeit. Erst Anfang Juli war ein unbemannter Raumtransporter vom Typ Progress kilometerweit an der Station vorbeigeflogen. Er dockte erst im zweiten Versuch an. 2008 waren mindestens zwei Sojus-Kapseln sehr hart in der kasachischen Steppe aufgeschlagen.

Die drei Raumfahrer, die mit der Sojus zur Erde zurückkehren sollten, wurden nach stundenlangen Beratungen zurück in die ISS beordert. «Es besteht kein Grund zur Eile», begründete Roskosmos-Boss Perminow die Verschiebung. «Wir müssen zunächst den Grund für das falsche Signal verstehen und die Sicherheit an Bord gewährleisten.»

Eigentlich hatte die Sojus um 3.35 Uhr MESZ abkoppeln sollen. Allerdings meldete der Bordcomputer fälschlicherweise, dass das Raumschiff nach der Schließung der Luken nicht korrekt abgedichtet war. Eine Überprüfung habe dann ergeben, dass alle Systeme in Ordnung seien, sagte Perminow.

Zu Beginn des Manövers hatte sich der Verbindungshaken nicht lösen lassen. Der an Bord der ISS verbliebene russische Kosmonaut Fjodor Jurtschichin entdeckte daraufhin ein etwa zwei Zentimeter langes Objekt unter dem Gehäuse der Automatik. Möglicherweise sei es ein Zahnrad, sagte Jurtschichin nach Angaben der Agentur Ria Nowosti. Videomaterial von dem Teil wurde an das Flugleitzentrum nahe Moskau sowie das Hauptquartier der US-Weltraumbehörde NASA in Houston (Bundesstaat Texas) geschickt. Russische Experten vermuteten, dass deswegen die Automatik das Abdocken nicht gestattete.