Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem Wahlsieg gibt es im schwarz-gelben Bundeskabinett Licht und Schatten. Eine Übersicht:

ANGELA MERKEL (CDU): Seit der Sommerpause zieht die Kanzlerin die Zügel an. Sie weist Minister zurecht und ist mit dem Atomkompromiss in ihren «Herbst der Entscheidungen» gestartet. Auch damit will sie die Koalition aus dem Umfragetief herausholen. In der Euro-Krise fuhr sie erfolgreich einen harten Kurs, wurde aber im Ausland kritisiert.

GUIDO WESTERWELLE (FDP): Der Außenminister hat mehr als 60 Länder besucht - aber es gibt immer noch Fragen, ob er im Amt angekommen ist. Mehr als über jede diplomatische Rede wurde in der Hartz-IV-Debatte über sein Wort von der «spätrömischen Dekadenz» gestritten. In Umfragen belegt er hintere Plätze - von Amtsbonus keine Spur.

WOLFGANG SCHÄUBLE (CDU): Der Finanzminister legte den Sparhaushalt zum Einhalten der Schuldenbremse vor, aber mit Abstrichen. Er bremste Steuersenkungen, brachte Bankenabgabe und ein Pleiteverfahren auf den Weg. International sorgte er für Aufsehen mit dem Alleingang beim Verbot von Leerverkäufen und schärferen Regeln für Euro-Defizitsünder.

RONALD POFALLA (CDU): Im schwarz-gelben Wunschbündnis wirken die Strippenzieherkünste des Kanzleramtschefs angesichts des Dauerstreits geschwächt. Merkel schwört auf aber den 51-jährigen Juristen und Ex-Generalsekretär. Sie sieht in ihm eine «lenkende Hand» in der Regierung. Sein jüngster Erfolg war der Atomkompromiss.

KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG (CSU): Er hat die wohl tiefgreifendste Reform in der Geschichte der Bundeswehr in Angriff genommen und zumindest in einem Kernpunkt durchgesetzt: Die Wehrpflicht wird ausgesetzt. Mit der Straffung der Führungsstrukturen oder Standortschließungen hat er aber noch einige dicke Bretter zu bohren.

THOMAS DE MAIZIÈRE (CDU): Hat noch viel vor bei Datenschutz und Integration. Erfolge: Am Flughafen Hamburg werden Körperscanner getestet; Deutschland stimmte dem neuen Swift-Abkommen über die Weitergabe von Bankkunden-Daten an die USA zu. In der Union gibt es Stimmen, die von ihm mehr «law and order» sehen wollen.