Weinheim (dpa) - Sie morden mit Gift oder treiben Männer in den Selbstmord - die Frauen in den Büchern von Ingrid Noll bringen richtig viel Umsatz. Männermordend hat es die Schriftstellerin, die an diesem Mittwoch (29. September) 75 Jahre alt wird, zur erfolgreichsten deutschen Krimiautorin gebracht.

Vier ihrer Romane wurden verfilmt, einige in 26 Sprachen übersetzt. Für ihren Roman «Die Häupter meiner Lieben» erhielt Noll den renommierten Glauser-Preis. Dabei ist Mord für Noll gar nicht das Entscheidende ihrer Bücher. «Mich interessiert, wie es zum Verbrechen kommt, wieso aufgestaute Konflikte plötzlich ausbrechen», sagt sie.

Nolls Krimis sind nicht von der klassischen Art, in der ein Revolver gezogen und der Fall schließlich gelöst wird. Ihre Heldinnen aus dem bürgerlichen Milieu töten subtiler mit Gift («Die Apothekerin») oder drängen den Ehemann der Kollegin in den Selbstmord («Das Kuckuckskind»). Die Strafverfolgung interessiert Noll nicht. «Ich will nicht verurteilen», sagt die Arzttochter, die ihre Kindheit in China verbrachte und im Alter von knapp 14 Jahren ins Nachkriegsdeutschland kam.

20 Jahre lang arbeitete sie in der Arztpraxis ihres Mannes mit, erledigte Schriftkram und zog drei Kinder groß. Zum Schreiben blieb da zunächst keine Zeit. «Aber Geschichten habe ich immer gern erzählt, Buchstaben waren immer meine Freunde und Zahlen meine Feinde», berichtet Noll, die als Gymnasiastin regelmäßig eine Fünf in Mathematik kassierte.

Ihren ersten Krimi schrieb sie erst im Alter von 55 Jahren. Die Inspiration für ihre Bücher holt sie sich im Alltag, wie sie ihn in ihrem Wohnort im beschaulichen Weinheim an der Bergstraße erlebt oder bei einer Zugreise oder im Hotel: «Ich sehe ein Gesicht und überlege mir eine Geschichte. Es muss ein Mensch mit inneren Konflikten, mit einer kleinen Meise sein.»

In ihrem Ende August erschienenen Roman «Ehrenwort» nimmt eine Familie den pflegebedürftigen Großvater zu sich. «Der knötterige alte Mann ist zwar das Gegenteil meiner Mutter, aber ich konnte vieles aus meiner eigenen Erfahrung in das Buch einbringen», sagt sie. Vier Jahre lang pflegte die Schriftstellerin ihre Mutter, die 106 Jahre alt wurde.

Ingrid Noll hat inzwischen zwölf Bücher geschrieben - und solange es ihr Spaß macht und sie gesund bleibt, will sie weitermachen: «Ich kann aber nicht garantieren, dass es bis 107 weitergeht, wie man es von mir erwartet.»