Berlin (dpa) - Kunstsammlungen verkaufen aus Geldnot ihre Bilder, Museen werden geschlossen, und am Hamburger Schauspielhaus wirft der Intendant gar das Handtuch. Die deutsche Kulturszene ist trotz der langsam wieder anziehenden Konjunktur massiv unter Druck.

Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab allerdings: Betroffen sind vor allem kleinere Häuser und die Theater in der Provinz. Die großen Flaggschiffe in den Metropolen werden - bis auf spektakuläre Ausnahmen wie in Hamburg - vom Rotstift weitgehend verschont.

Bestes Beispiel ist die Bundeshauptstadt Berlin, die mit drei Opern und einem halben Dutzend großen Theatern ein Angebot an Hochkultur bietet wie keine andere deutsche Stadt. Trotz der allgemein desolaten Finanzlage sind die Ausgaben für Kultur in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Allein für die Opern gab es im vergangenen Doppelhaushalt 20 Millionen Euro mehr. Für 2010/2011 ist ein Plus von 10 Millionen Euro vorgesehen, um die Tarifsteigerungen in den Häusern abzufangen.

«Im Gegensatz zum bundesweiten Trend geben wir ein klares Bekenntnis zur Kulturmetropole Berlin ab», sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz. «Die Stärken in der Krise zu stärken, zahlt sich am Ende aus. Das ist gut investiertes Geld.» Allein das Deutsche Theater kann mit einem Zuschuss von gut 18 Millionen Euro zu seinem 24-Millionen-Euro-Etat rechnen, Kürzungen gab es nicht. Zudem stehen aus Bundes- und Landesmitteln für die kommenden Jahre insgesamt 450 Millionen Euro für Investitionen bereit. Der Löwenanteil von 240 Millionen entfällt auf die Sanierung der traditionsreichen Staatsoper Unter den Linden, die 2013 in neuem Glanz am Berliner Prachtboulevard eröffnet werden soll.

Auch in der Finanzmetropole Frankfurt blieben Oper und Schauspiel von Kürzungen bisher verschont. Die Städtischen Bühnen erhalten seit Jahren einen konstanten Zuschuss von gut 61 Millionen Euro, 2008 übernahm die Stadt auch die Kosten der Tariferhöhungen voll, um eine Fortschreibung wird allerdings noch gekämpft. «Ich kann in Frankfurt gut arbeiten und weiß, dass die Stadt diese Möglichkeit auch perspektivisch erhalten will», sagt Intendant Oliver Reese. «Wir sind ein nach wirtschaftlichen Richtlinien aufgestelltes Haus.»

Im benachbarten Nordrhein-Westfalen ist die Situation dagegen sehr gemischt. Während das zur Hälfte von der reichen Kommune finanzierte Düsseldorfer Schauspielhaus keine Existenzsorgen hat, sind die Wuppertaler Bühnen zum bundesweiten Symbol für die Finanzkrise geworden. Wegen des riesigen Haushaltslochs plant die bergische Stadt in ihrem Sparkonzept, bis 2014 den Zuschuss für die zwei Spielstätten Schauspielhaus und Oper um zwei Millionen Euro auf 8,9 Millionen Euro zu kürzen.

Das Gutachten einer Unternehmensberatung gibt den Wuppertaler Bühnen mit insgesamt rund 1500 Plätzen darüber hinaus nur als Ein-Sparten-Theater eine Zukunft. Dabei sieht es schlecht aus für das Schauspielhaus, das bereits seit Anfang 2009 wegen notwendiger Renovierungen geschlossen ist. Die Entscheidung über die Einsparungen und die künftige Bühnen-Struktur wird Anfang 2011 getroffen. Bis dahin soll ein weiteres Gutachten den Nutzen einer Kooperation des bergischen Städte-Trios Remscheid, Solingen und Wuppertal bewerten.