Berlin (dpa) - Den Cup geholt, Europa überrascht, die DEL-Konkurrenz geschockt - die Eisbären streben nach dem Sieg in der European Trophy aber schon nach Höherem. Berlins Manager Lee will die Champions League wiederbeleben - und sich sogar mit den ganz Großen im Eishockey messen.

Form und Aussehen des Pokals passen schon mal: Silbern und mit zwei «Ohren» glänzt der überdimensionale Kelch, den die Eisbären Berlin nach ihrem Coup in der European Trophy ihr Eigen nennen dürfen. Die frappierende Ähnlichkeit mit dem Pott der Fußball-Königsklasse dürfte der viermalige deutsche Eishockey-Meister zufrieden registriert haben. Nach dem Erfolg beim hochkarätigen Sommerturnier kann der DEL-Club durchaus ernsthafte Ansprüche auf die Vormachtstellung im (west-)europäischen Eishockey erheben - und diese am besten bei einem kontinentalen Elite-Turnier unter Beweis stellen.

Berlins Manager Peter John Lee verkündete nach dem 5:3-Sieg im Finale gegen HV 71 Jönköping seine Pläne für die Zukunft. «Unser Ziel ist eine europäische Liga neben den Meisterschaftsspielen in den jeweiligen Ländern», sagte der Kanadier der «Bild». Mit anderen Club-Funktionären und dem Weltverband IIHF lotete Lee in Österreich aus, wie man die Champions League neu organisieren könnte.

«Wir wollen nicht nur die Meister als Starter, sondern drei bis vier Teams pro Land», erklärte Lee. Im vorletzten Jahr hatten die Eisbären als deutscher Vertreter an der Königsklasse teilgenommen, die nach nur einer Saison wegen fehlender Gelder eingestampft wurde.

Bei seinen Planungen schielt der Manager auch auf den Fußball, wo sich das Millionen-Geschäft Champions League längst als Nonplusultra etabliert hat. «Dort sind die wichtigsten Nationen mit bis zu vier Mannschaften vertreten. Dabei ist es den Fans egal, wer zum Beispiel in England Meister geworden ist - Hauptsache Manchester United, Arsenal oder Liverpool nehmen an dem Wettbewerb teil», sagte Lee.

Geht es nach Lee und seinen Mitstreitern, soll der Gewinner einer neuen Europa-Liga sogar gegen den Stanley-Cup-Sieger der nordamerikanischen NHL und den Champion der von russischen Clubs dominierten KHL um einen Supercup spielen. Mit amerikanischen und russischen Teams können sich die Eisbären, die mit Verspätung in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einsteigen, bei weitem nicht messen, das weiß man auch in Berlin.

Spätestens nach dem überraschenden Siegeszug gegen Top-Teams aus Skandinavien und der Schweiz dürfen sich die Eisbären aber endgültig zur europäischen Elite zählen. 4:1 gegen den finnischen Meister Turku, 5:1 gegen den Schweizer Titelträger Bern und schließlich der Final-Erfolg gegen den schwedischen Champion Jönköping - die Bilanz kann sich - neben den 40 000 Euro Preisgeld - sehen lassen.