Köln (dpa) - Joachim Löw hat nach einem kurzen Kaffeeklatsch mit Michael Ballack Rücktritts-Gerüchte um den Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zerstreut.

«Ich gehe zu hundert Prozent davon aus, dass er das nicht tut», erklärte der Bundestrainer nach einer Stippvisite des 33-jährigen Ballack im Quartier der DFB-Auswahl in Köln. Löw reagierte irritiert auf die Option eines freiwilligen Rückzugs des 98-maligen Nationalspielers: «Ich wüsste auch nicht, warum er das tun sollte», sagte der Bundestrainer.

Ballack hatte die Nähe zu seinem Arbeitsort Leverkusen genutzt, um vor dem Nachmittags-Training bei Bayer 04 bei der Nationalmannschaft «Hallo» zu sagen, wie Löw berichtete. Man habe zusammengesessen beim Kaffee und sich darüber unterhalten, ob «alles okay» sei mit den Fortschritten Ballacks nach dessen langwieriger Fußverletzung.

An Ballacks Nationalmannschaftskollegen lief der Kurzbesuch ihres Kapitäns a.D. anscheinend weitgehend vorbei. «Ich habe das überhaupt nicht mitbekommen, ihn gar nicht gesehen», erzählte Torwart Manuel Neuer. Schon zuvor hatte Bastian Schweinsteiger betont, dass der öffentliche Wirbel um Ballack das Team nicht besonders berühre: «Das betrifft die Mannschaft hier überhaupt nicht. Entscheidend ist, ob wir die Spiele gewinnen oder verlieren», sagte der Münchner.

Der nach seiner langen Verletzungspause aus Fitnessgründen nicht für den Start in die EM-Qualifikation nominierte Ballack habe ihm gegenüber einen möglichen Rücktritt aus der Nationalelf «nie angedeutet», erklärte Löw. «Es wird natürlich unglaublich viel in diese Sachen reininterpretiert und spekuliert», bemerkte der DFB-Chefcoach allgemein und stellte fest: «Ich hatte bislang nicht das Gefühl, auch nicht aus den Gesprächen letzte Woche, dass Michael Ballack zurücktreten möchte aus der Nationalmannschaft.»

Ballack ist nach seinem WM-Ausfall durch die starken Leistungen von Schweinsteiger und Sami Khedira in Südafrika plötzlich in die ungewohnte Rolle des sportlichen Herausforderers geraten. Nur in Topform will Löw den 98-maligen Nationalspieler zurückholen. Die Kapitäns-Binde aber hat der Bundestrainer dem derzeit öffentlich schweigenden Ballack nicht genommen.

Die Perspektiven des langjährigen Leitwolfes im Nationalteam und ein mögliches Comeback schon im Oktober in den Qualifikationsspielen gegen die Türkei und in Kasachstan seien einen Tag vor dem Spiel der DFB-Auswahl gegen Aserbaidschan kein Thema gewesen. «Wir haben jetzt nicht über die Situation bei der Nationalmannschaft gesprochen», sagte Löw, «das haben wir letzte Woche ausführlich getan.»