Berlin (dpa) - Schwarz-Gelb will noch mindestens drei Jahrzehnte auf Atomstrom setzen. Die Spitzen von Union und FDP verständigten sich auf längere Laufzeiten der Kernkraftwerke und zusätzliche Milliarden der Industrie für den Ökostrom-Ausbau. Fragen & Antworten:

Wie lange bleiben die 17 deutschen Meiler zusätzlich am Netz?

Die sieben älteren Kernkraftwerke, die vor 1980 gebaut wurden, erhalten ein Laufzeitplus von acht Jahren. Das betrifft die Anlagen Neckarwestheim I, Philippsburg I (beide Baden-Württemberg), Isar I (Bayern), Biblis A und B (Hessen), Unterweser (Niedersachsen) und Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). Bei moderneren AKW, die nach 1980 fertiggestellt wurden, wird die Betriebszeit um 14 Jahre verlängert. Davon profitieren Neckarwestheim II, Philippsburg II (beide Baden- Württemberg), Isar II, Grafenrheinfeld, Gundremmingen B und C (alle Bayern), Grohnde, Emsland (beide Niedersachsen), Krümmel, Brokdorf (beide Schleswig-Holstein). Im Durchschnitt ergibt sich so ein Laufzeitplus von 12 Jahren.

Wann geht das letzte AKW vom Netz?

Derzeit lässt sich noch nicht abschließend berechnen, in welchem Jahr das sein wird. Schalten die Konzerne ältere Reaktoren aus wirtschaftlichen Gründen früher als geplant ab, können sie zugebilligte Strommengen, die diese Kraftwerke produzieren durften, auf neuere AKW übertragen. Das könnte dazu führen, dass bis etwa 2050 noch Atomstrom in Deutschland produziert wird. Nach dem rot-grünen Atomgesetz wären die letzten Meiler etwa 2025 vom Netz gegangen. Rot- Grün hatte eine Regellaufzeit von 32 Jahren vorgesehen - diese wird nun auf 40 beziehungsweise 46 Jahre erhöht. Kritiker sagen, eine solche Lebensdauer berge unkalkulierbare Risiken. Und Greenpeace rechnet mit bis zu 6000 Tonnen zusätzlichem Atommüll.

Müssen die Atomkraftwerke für mehr Sicherheit nachgerüstet werden?

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) betont, es werde ein neuer Sicherheitsstandard im Atomgesetz festgelegt. Das werde die Betreiber pro Kraftwerk etwa 500 bis 600 Millionen Euro kosten. Bei neuen Erkenntnissen könne die Atomaufsicht sofort eingreifen. Jedoch konnte sich Röttgen nicht mit seiner weitergehenden Forderung durchsetzen, die Meiler speziell gegen Abstürze großer Flugzeuge zu schützen. Die Atomkonzerne hatten gewarnt, dass dies zu teuer wäre.