Berlin (dpa) - FDP-Generalsekretär Christian Lindner stößt mit seinem Vorschlag, die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I bei Älteren zu verkürzen, auf massive Kritik aus den Reihen der Union.

«Wenn wir die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld bei Älteren verkürzen, erhöhen wir dadurch nur die Zahl der Hartz-IV-Bezieher», sagte Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, den Dortmunder «Ruhr Nachrichten». Die Sozialversicherung würde zwar Geld sparen, dafür wäre der Bund gezwungen, entsprechend mehr Arbeitslosengeld II zu zahlen. «Das ist Politik nach dem Motto: linke Tasche, rechte Tasche», kritisiert der CDU-Politiker.

Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe Max Straubinger hält Lindners Vorstoß für unsozial. «Die Arbeitsagenturen versuchen ohnehin, jedem eine Arbeit zu vermitteln, so schnell es möglich ist», sagte er den «Ruhr Nachrichten». Für ältere Arbeitnehmer fänden sich jedoch trotz Verbesserungen der Arbeitsmarktlage immer noch nicht genügend Jobs. «Das längere Arbeitslosengeld für Ältere ist ein Sozialstaatsgebot.»

Wegen der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich die FDP dafür ausgesprochen, älteren Arbeitnehmern das Arbeitslosengeld I weniger lang als bisher zu bezahlen. Der Vorstoß ist Teil eines Reformprogramms der FDP für den Arbeitsmarkt. Lindner hatte dem «Handelsblatt» gesagt: «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt erfordert keine Quasi-Frühverrentungsformen. Ältere Arbeitnehmer werden als Fachkräfte gebraucht.» Mit der Verkürzung der Bezugsdauer könnten bis zu 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Derzeit wird das Arbeitslosengeld I für über 58-Jährige bis zu 24 Monate bezahlt.

Das Arbeitsmarkt-Experte Ulrich Walwei warnte davor, die Bezugsdauer in einem isolierten Schritt zu kürzen. «Der Vorschlag ist dann überlegenswert, wenn er mit sichtbaren Schritten für eine Verbesserung der Erwerbstätigkeit im Alter verbunden wird», sagte der Vize-Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der «Frankfurter Rundschau». Nötig seien etwa gezielte Weiterbildung und altersgerechte Arbeitsplätze.