Berlin (dpa) - Am 50. Jahrestag des Mauerbaus wird deutschlandweit der Opfer gedacht. Zu dem zentralen Gedenken in Berlin werden auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Wulff sagte der Tageszeitung «Die Welt», die überwundene Teilung sei ein Grund zum Stolz für alle Deutschen. Vielerorts wehen am Samstag Flaggen auf Halbmast. Bundesweit sind die Bürger zu einer Schweigeminute um 12.00 Uhr aufgerufen. In Berlin werden Kirchenglocken läuten, Busse und Bahnen für eine Minute stoppen und Menschen innehalten.

Vor 50 Jahren, am 13. August 1961, begann der Bau der menschenverachtenden Grenze auf Befehl der DDR-Führung unter Walter Ulbricht. Damit wurde die deutsche Teilung zementiert, die erst am 9. November 1989 zu Ende ging. Durch das DDR-Grenzregime starben mindestens 136 Menschen an der Berliner Mauer.

Seit Mitternacht wurden in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße die Biografien von Maueropfern gelesen und Kerzen entzündet. In der Kapelle auf dem früheren Todesstreifen erinnerten frühere Bürgerrechtler und Angehörige an die Menschen, die bei Fluchtversuchen ums Leben kamen.

Etwa 50 Zuhörer verfolgten in der nach der Wende errichteten Kapelle die Geschichten von Mauertoten wie Chris Gueffroy, der am Grenzzaun erschossen wurde, und Winfried Freudenberg, der mit einem selbst gebastelten Ballon über West-Berlin in den Tod stürzte. Im Publikum saßen auch junge Menschen, die beim Fall der Mauer 1989 noch Kinder waren.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte indes, «Gedankenlosigkeit und auch Unkenntnis» zu Teilung und Mauerbau zu überwinden. Darüber sollte in Schulen und Familien mehr gesprochen werden. Der SPD-Politiker warnte vor einer Verklärung der DDR: «Für Unrecht, für die Verletzung der Menschenreche, für Tote durch Mauer und Stacheldraht gibt es keine guten Gründe.» Er habe kein Verständnis für die Relativierung der Schrecken der Mauer. «Die Berliner Mauer war und bleibt eine Schande, und das muss deutlich gesagt werden», so Wowereit.

Zu dem Jahrestag war der Streit um die Haltung der Linkspartei zum Mauerbau neu aufgeflammt. FDP und CDU werfen insbesondere Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch eine Verhöhnung der Opfer vor. Lötzsch hatte gesagt, die Mauer sei eine logische Folge des Zweiten Weltkriegs gewesen.