London (dpa) - Nach den schweren Ausschreitungen in London und anderen englischen Städten ist ein offener Streit zwischen Scotland Yard und der Regierung von Premierminister David Cameron ausgebrochen.

Der amtierende Londoner Polizeichef Tim Godwin wehrte sich am Freitag gegen Vorwürfe Camerons, zu Beginn der Krawalle in den Nächten zu Sonntag und Montag seien «bei weitem zu wenig» Polizisten im Einsatz gewesen. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer in Folge der Krawalle auf fünf. Ein 68 Jahre alter Mann, der am Montag in London von Randalierern brutal verprügelt worden war, starb an seinen schweren Verletzungen.

Bislang wurden nach den Krawallen landesweit mehr als 1600 Tatverdächtige festgenommen. Am Wochenende ist die Polizei erneut unter Spannung, weil die Fußball-Premier-League startet.

Polizeichef Godwin sagte mit Blick auf Cameron und Innenministerin Theresa May, die Kritik komme von Leuten, die zum fraglichen Zeitpunkt «nicht da» waren. Cameron und May machten bei Ausbruch der Ausschreitungen Urlaub.

Godwin, Stellvertreter des im Juli wegen einer Korruptionsaffäre zurückgetretenen Paul Stephenson, lobte die Polizeiarbeit während der Ausschreitungen. «Wir haben einige der besten Polizeiführer, die ich auf der Welt gesehen habe», sagte er. «Als Ergebnis daraus konnten wir das nach ein paar Tagen im Keim ersticken», betonte er. Bei der Auswahl der Taktik und der Zahl der Polizisten handele es sich um «Entscheidungen der Polizei», betonte Godwin.

Cameron und mehrere Parlamentarier seiner konservativen Tories hatten die Polizeitaktik infrage gestellt und ein härteres Durchgreifen mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen die Randalierer als Option zur Diskussion gestellt. Innenministerin May hatte wiederholt die Leistung der Polizisten auf der Straße gelobt, die Einsatzleitung aber unerwähnt gelassen.

Unterdessen trieben Polizei und Gerichte am Freitag fieberhaft die Aufarbeitung der Gewalttaten voran. Fast 800 Verdächtige waren bis Freitagnachmittag in Schnellverfahren vor Gericht gekommen. In Manchester wurde ein 18-Jähriger angeklagt, weil er am vergangenen Dienstag dort ein großes Bekleidungsgeschäft angezündet haben soll.