London (dpa) - Nach den heftigen Krawallen in England mit mehreren Toten wächst der politische Druck auf den konservativen Premierminister David Cameron.

Vor einer Sondersitzung des Parlaments forderten Politiker der Opposition und auch des Regierungslagers, bereits beschlossene Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen. In der Nacht blieb England erstmals seit dem Gewaltausbruch in London am Wochenende von Krawallen verschont.

Die Kürzung der Ausgaben für den Polizeiapparat um 20 Prozent und der damit einhergehende Stellenabbau seien weniger als ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen in der britischen Hauptstadt unrealistisch, sagte Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson. Die Zeitung «The Guardian» berichtete, angesichts der gewalttätigen Ausschreitungen Hunderter Jugendlicher und der Zerstörungen durch Brandsätze in London und anderen Großstädten seien nun auch Regierungsmitglieder der Meinung, dass die Zahl der Polizisten nicht verringert werden dürfe.

Cameron sollte bei der Sondersitzung des Parlaments auch Details zu den Entschädigungen für die Opfer der Krawalle bekanntgeben, die ihre Geschäfte oder ihr Zuhause verloren haben. Vize-Premier Nick Clegg von den Liberaldemokraten sagte in einem Interview des Senders BBC, die Regierung müsse nun zeigen, «dass wir unsere Straßen sicher halten können». «Es ist ein Grundbedürfnis, dass wir alle wissen müssen, dass unsere Häuser, Geschäfte und Gemeinden in Zeiten wie diesen gesichert werden können», sagte Clegg.

Nach Angaben der Polizei sowie von Augenzeugen blieb es in der Nacht zum Donnerstag auf Englands Straßen weitgehend ruhig. Dafür sorgte ein Großaufgebot von Sicherheitskräften, allein in London waren 16 000 Beamte im Einsatz. Bis Mittwochabend waren landesweit mehr als 1000 mutmaßliche Randalierer und Plünderer festgenommen worden, mehr als 800 davon allein in London. Gerichte arbeiten die Nacht durch. Fast 300 mutmaßliche Täter wurden bereits angeklagt, mehrere von ihnen erhielten in Schnellverfahren mehrmonatige Haftstrafen.

Londons Bürgermeister Johnson betonte am Donnerstag nach einer Beratung des Krisenkabinetts, trotz der Ruhe der vergangenen Nacht sei das Thema Krawalle noch lange nicht abgeschlossen. Es werde weiterhin hart gegen Leute vorgegangen, die Randale machten und den Frieden von anderen störten, sagte Johnson. Gleichzeitig lobte er die Arbeit der Polizei, die sich Kritik ausgesetzt sieht, teilweise nicht schnell genug gehandelt zu haben.

Der Londoner Polizeichef Tim Godwin betonte, alle Anschuldigungen, seine Beamten hätten sich zu sehr zurückgehalten, seien falsch. Die Polizei habe sich «noch nie dagewesener Gewalt und Kriminalität und Plünderungen» gegenübergesehen. Das Land solle stolz darauf sein, dass es trotz aller Tragödien nicht noch mehr Verletzte und Todesopfer gegeben habe. Das sei seiner Ansicht nach in keinem anderen Land der Welt so möglich.