Berlin (dpa) - Der Papst wird bei seiner Deutschland-Visite viele jubelnde Gläubige treffen. Aber nicht alle sind begeistert, etliche Initiativen planen Proteste. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit kann die Motive der Kritiker gut verstehen.

Wowereit (SPD) hat «großes Verständnis» für die zum Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. angekündigten Proteste gegen die Sexuallehre der katholischen Kirche. «Ich verstehe, und das ist auch in Ordnung, dass Bürgerinnen und Bürger den Papstbesuch benutzen, um hier darauf aufmerksam zu machen, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehre Thesen vertritt, die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit», sagte Wowereit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

«Insofern habe ich großes Verständnis dafür, immer vorausgesetzt, dass diese Proteste im friedlichen und demokratischen Rahmen passieren. Damit muss die katholische Kirche leben. Das widerspricht auch nicht einer Gastfreundschaft, die wir bei einem Staatsbesuch zeigen sollen», sagte Wowereit. Der SPD-Politiker hatte 2001 erklärt: «Ich bin schwul, und das ist auch gut so.»

Auf die Nachfrage, ob er damit nicht indirekt zu Demonstrationen gegen den Besuch des Papstes aufruft, sagte Wowereit: «Nein, das tue ich nicht.» Berlin freue sich auf den Besuch Benedikts XVI. «Er ist in der Hauptstadt herzlich willkommen.»

Der Erfurter Bischof Joachim Warnke sagte, er habe Verständnis, das sich Menschen an den Positionen seiner Kirche reiben. Die sexualethischen Weisungen der Kirche könnten «schon irritieren, die ganze Bibel kann irritieren», sagte Warnke.

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) begrüßte Wowereits Äußerungen. «Es freut mich, wenn der Regierende Bürgermeister sich inhaltlich unseren Zielen anschließt», sagte LSVD-Sprecher Jörg Steinert. Er könne aber verstehen, dass für Wowereit die politischen Pflichten beim Papstbesuch vorrangig seien.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte, die angekündigten Proteste seien Teil der Meinungsfreiheit. Der frühere bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) warnte vor religiöser Intoleranz. Der Papst komme als Staatsoberhaupt zu einem Staatsbesuch. «Da er ein Staatsoberhaupt ist, hat der Regierende Bürgermeister von Berlin sich da herauszuhalten.»