Athen (dpa) - Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos soll erstmals über eine geordnete Umschuldung Griechenlands mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent gesprochen haben. Dies berichteten übereinstimmend mehrere griechische Medien am Freitag.

Venizelos erörterte am Vortag vor Abgeordneten seiner Partei die verschiedenen Szenarien für die griechische Finanzkrise. Eins davon sei der Verbleib des Landes im Euroland mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent, berichtete die regierungsnahe Athener Zeitung «Ta Nea» und die Nachrichetn Internetseite «in.gr» am Freitag. Auch das Boulevardblatt «Ethnos» veröffentliche diese Informationen.

Die Zeitung zitierte den Minister mit dem Satz: «Wir (in Athen) sollten aber nicht diejenigen sein, die dies ins Gespräch bringen. Es ist gefährlich.»Das Finanzministerium in Athen wollte diese Informationen nicht kommentieren.

Venizelos und der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou versuchen dieser Tage die Abgeordneten der sozialistischen Regierungspartei über die Notwendigkeit eines Bündels neuer harter Sparmaßnahmen zu gewinnen, damit das Land 2012 erstmals keine neuen Defizite «produziere».

Das Land habe Einnahmen von rund 54 Milliarden Euro jährlich. Dies sieht der Haushalt vor. Bislang seien aber bis August dieses Jahres 30,7 Milliarden Euro in die Staatskassen eingeflossen. Das seien vier Milliarden Euro weniger als der Hauhalt für die ersten acht Monate vorsieht (34,7 Milliarden). Zusätzlich muss Griechenland noch bis zum Jahresende rund drei Milliarden Euro Zinsen an Gläubiger zahlen. Demnach fehlen rund sieben Milliarden Euro um keine neuen Schulden zu machen.

Das neue Sparprogramm sieht unter anderem Entlassungen im staatlichen Bereich, Kürzungen vn Löhnen und Renten sowie eine neue Immobiliensteuer vor. In der regierenden Partei gibt es gewaltigen Widerstand gegen die neuen Sparmaßnahmen. Eine Abstimmung zur neuen Sonder-Immobiliensteuer musste wegen angeblicher Krankheit mehrerer Abgeordneter der Regierungspartei für nächste Woche vertagt werden.