Erfurt (dpa) - Beim Treffen mit Papst Benedikt XVI. hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, konkrete Schritte zu mehr Gemeinsamkeit beider Kirchen gefordert.

Mit dem erreichten Fortschritt in der Ökumene könne man nicht zufrieden sein, sagte Schneider am Freitag im Augustinerkloster in Erfurt. Zu einem ökumenischen Spitzentreffen waren dort Delegationen beider Kirchen zusammengekommen.

Vor allem Gläubige in konfessionsverbindenden Ehen und Familien sehnten sich danach, dass die Kirchen ihren «Eigen-Sinn» überwinden. «Für uns alle wäre es ein Segen, ihnen in absehbarer Zeit eine von Einschränkungen freiere eucharistische Gemeinschaft zu ermöglichen», sagte Schneider. Das teilte die EKD nach dem Gespräch mit, das nicht öffentlich war.

Der Papst erteilte der Forderung nach schnellen Fortschritten in der Ökumene indes eine Absage. «Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, dass wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind.» Nach Vatikan-Angaben ging der 84 Jahre alte Papst bei dem Treffen nicht auf den Wunsch kirchlicher Reformgruppen und der EKD ein, gemeinsame Eucharistiefeiern von Katholiken und Protestanten zuzulassen.

Stattdessen verwies er darauf, dass der christliche Glaube in Deutschland immer mehr an den Rand gedrängt werde. Die Bewahrung des Glaubens sei die wichtigste gemeinsame Aufgabe der getrennten christlichen Konfessionen: «Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt.»

Schneider warb dafür, den Reformator Martin Luther als Bindeglied zwischen den Kirchen zu sehen. Er lud den Papst persönlich dazu ein, das Reformationsjubiläum 2017 «mit den Kirchen der Reformation zu feiern, so dass wir in ökumenischer Verbundenheit Christus bezeugen».

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