Sanaa (dpa) - Nach dreimonatiger Abwesenheit ist der umstrittene jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih nach Sanaa zurückgekehrt. Er traf laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Saba am Freitag im Morgengrauen in der Hauptstadt ein.

Bewohner von Sanaa berichteten, Soldaten der loyal zu Salih stehenden Einheiten hätten eineinhalb Stunden lang Freudenschüsse abgegeben, nachdem sich die Nachricht von seiner Ankunft herumgesprochen hatte.

Angeblich wollte er sich zunächst mit Mitgliedern seiner Partei, Allgemeiner Volkskongress, beraten. Ob ihn das saudische Herrscherhaus, dessen Gast er in den vergangenen Monaten gewesen war, dazu überredet hat, zurückzutreten und dadurch den Weg für einen friedlichen Machtwechsel zu ebnen, blieb unklar. Noch vor Salihs Rückkehr hatte die Opposition für diesen Freitag zu Demonstrationen gegen den Präsidenten aufgerufen.

Der 69-Jährige, der seit 1978 im Amt ist, hielt sich seit Juni zur medizinischen Behandlung in Saudi-Arabien auf. Bei einem Bombenanschlag war er schwer verletzt worden. Die Protestbewegung, die seit Februar für seinen Rücktritt demonstriert, hatte Salih vorgeworfen, er versuche, einen Bürgerkrieg anzuzetteln, um sich hinterher als Retter zu präsentieren.

Seit Sonntag sollen bei Gefechten in der Hauptstadt rund 100 Menschen getötet worden sein. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija nahmen Salihs Truppen am Freitagmorgen Ziele im Stadtviertel Al-Hasaba unter Beschuss. Zuvor waren Gefechte aus der Stadt Tais gemeldet worden.