Washington/Oldenburg (dpa) - Die Bundesregierung hat ihren Kurs in der Euro-Schuldenkrise und die Bereitschaft zu weiteren Milliarden-Hilfen für Griechenland verteidigt.

Ein Ausstieg der Hellenen aus der Euro-Zone oder eine Umschuldung könne zu einem Dominoeffekt führen, warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag auf einer CDU-Regionalkonferenz im niedersächsischen Oldenburg. «Dies würde den Druck auf andere Länder enorm erhöhen.» Vor jedem scheinbaren Lösungsvorschlag müssten genau die Folgen für jedes einzelne EU-Land untersucht werden, appellierte die Parteivorsitzende an die Parteibasis.

Das hoch verschuldete Griechenland wird nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wahrscheinlich noch zehn Jahre lang auf Hilfen angewiesen sein. «Dass Griechenland nicht - wie 2010 gedacht - schon 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, ist klar», sagte Schäuble der «Wirtschaftswoche». «Griechenland wird zur vollen Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit sicher eher ein Jahrzehnt brauchen als ein Jahr.»

Die Hellenen müssten unter allen Umständen in der Euro-Zone gehalten werden. «Athen, Griechenland ist - auch historisch - ein zentraler Bestandteil Europas. Jeder Verantwortliche weiß, dass ein Ausscheiden erhebliche Folgen hätte für Griechenland, aber auch weit darüber hinaus.» Vor allem die Auswirkungen auf den Bankensektor dürfe man nicht unterschätzen.

Der CDU-Politiker nimmt derzeit an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington teil, auf der es auch um die Euro-Schuldenkrise geht.

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis wies in Washington Forderungen der US-Regierung nach weiteren Schritten gegen die Euro-Schuldenkrise zurück. «Ich halte solche Empfehlungen von den USA an die EU oder die Euroländer für wenig zielführend», sagte Haasis am Samstag.

Der scheidende Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) verwies auf die weit höhere Staatsverschuldung der USA im Vergleich zu den Euro-Ländern. Dennoch konzentriere sich die kritische Aufmerksamkeit der Finanzmärkte vor allem auf Europa. «Ich halte das für objektiv nicht berechtigt», sagte Haasis. Die USA gefährdeten mit ihrer Politik neuer Schulden nicht nur den eigenen Wohlstand. Sie riskierten auch eine Verschärfung der globalen Ungleichgewichte.