Erfurt (dpa) - Papst Benedikt XVI. hat sich am Freitagabend in Erfurt mit fünf Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und kirchliche Mitarbeiter getroffen.

Anschließend habe der Papst mit Menschen gesprochen, die sich um Betroffene kümmern, teilten der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz mit: «Bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer hat der Heilige Vater sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde.»

Nach Angaben des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zeigte sich Benedikt tief beschämt. Das Treffen im Priesterseminar habe in einer «menschlichen und offenen Atmosphäre» stattgefunden, teilte Ackermanns Sprecher am Samstag mit. Der Papst habe den zwei Frauen und drei Männern aus verschiedenen Regionen Deutschlands aufmerksam zugehört.

Das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt kritisierte das Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit als «scheinheilig» und unzureichend. Die Begegnung diene dem Verschweigen, Vertuschen und Verleugnen, sagte der Vorsitzende der Opfervereinigung, Norbert Denef, der Nachrichtenagentur dpa: «Das bringt überhaupt nichts. Das ist eine Strategie, um der Gesellschaft zu signalisieren, wir tun etwas.» Stattdessen solle die Kirche ihre Akten öffnen und der Politik empfehlen, die Verjährungsfristen aufzuheben, forderte Denef.

Die Begegnung gehörte nicht zum offiziellen Besuchsprogramm des Papstes in Deutschland, war aber als symbolische Geste erwartet worden. Überraschend fand sie nach einem langen und für den 84-Jährigen terminreichen Tag noch am Freitagabend statt und nicht am Wochenende in Freiburg

Bereits bei anderen Staatsbesuchen hatte sich Benedikt unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Missbrauchsopfern getroffen und hatte mit ihnen gebetet.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi beschrieb das Gespräch als «sehr kommunikativ, sehr friedvoll». In der offiziellen Erklärung heißt es: «Er hat den Anwesenden versichert, dass den Verantwortlichen in der Kirche an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen ist und sie darum bemüht sind, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern.»