Freiburg/Erfurt (dpa) - Mit begeisterten «Benedetto»-Rufen und weiß-gelben Fähnchen ist Papst Benedikt XVI. auf der letzten Station seiner Deutschland-Reise in Freiburg empfangen worden.

Bei einem Treffen mit Helmut Kohl würdigte er am Samstag den 81-Jährigen als Kanzler der Einheit. Begleitet wurde der im Rollstuhl sitzende Kohl von seiner zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter.

Das 84-jährige Kirchenoberhaupt traf sich auch mit Vertretern der Orthodoxen Kirche in Deutschland. Er betonte nach Angaben des Vatikans: «Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie theologisch am nächsten.» Am Vortag hatte er Hoffnungen vieler Protestanten auf mehr Miteinander mit den Katholiken nicht erfüllt. Am Abend war eine Begegnung mit der Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken geplant, danach eine Gebetsvigil mit 28 000 Jugendlichen. Am Morgen hatte Benedikt in Erfurt den Mut der Katholiken in DDR-Zeiten gewürdigt, am Freitagabend Missbrauchsopfer getroffen.

Das Gespräch mit Kohl kam auf Bitten des Papstes zustande und fand hinter verschlossenen Türen statt. «Es war der Wunsch des Heiligen Vaters, dem Kanzler der Einheit zu begegnen», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, der Nachrichtenagentur dpa. Kohl wollte sich nicht äußern, weil er das Treffen als privat wertete.

In Freiburg jubelten 24 000 Menschen dem Pontifex bei strahlendem Sonnenschein zu. Er fuhr im Papamobil durch eine von Menschen gesäumte enge Gasse zum Münster. Nach einem Rundgang durch das Gotteshaus und einem Gebet erwiderte er scherzhaft die überschwänglichen Willkommensgrüße: «Mein besonderer Dank gilt dabei eurem lieben oberwürdigsten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für die Einladung. Er hat mich so bedrängt, dass ich am Schluss sagen musste: Nach Freiburg muss ich wirklich kommen», sagte Benedikt schmunzelnd und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Trotz aller Anstrengungen fühlt sich der Papst nach wie vor fit. «Es geht ihm wirklich gut und auch besser, als ich erwartet habe», sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. «Es ist wunderbar, wie er alle Momente dieser Reise wirklich intensiv erlebt.» Am Sonntag fliegt er zurück nach Rom - nach einer Open-Air-Messe mit 90 000 Gläubigen und einer Rede im Freiburger Konzerthaus.

Bei der Papstmesse auf dem Domplatz in Erfurt mit 28 000 Gläubigen herrschte am Morgen ähnlich gute Stimmung wie in Freiburg. Der Papst hob die Standfestigkeit der Katholiken in Osten hervor. «Die politischen Veränderungen des Jahres 1989 in unserem Land waren nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert, sondern entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.»