Sanaa/Kairo (dpa) - Die überraschende Rückkehr von Präsident Ali Abdullah Salih hat die Gewalt im Jemen neu angeheizt.

Bei Angriffen der Salih-treuen Truppen auf die Zeltstadt der Opposition im Zentrum von Sanaa sowie gegen die Militäreinheiten des abtrünnigen Generals Ali Mohsen al-Ahmar starben am Samstag 40 Menschen. Mehr als 170 Jemeniten erlitten Verletzungen, bestätigten Krankenhausärzte und örtliche Medien. Salih hatte sich zuvor in Saudi-Arabien von Verletzungen nach einem Angriff auf seinen Palast erholt.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen, als die Salih-Truppen am frühen Morgen die Zeltstadt auf dem Taghier-Platz mit Mörsergranaten beschossen. Heckenschützen auf Hausdächern hätten in die unbewaffnete Menge gefeuert. Menschen seien in Panik geflüchtet. Allein bei diesem Überfall kamen den Angaben zufolge 17 Demonstranten ums Leben, 54 weitere wurden verletzt.

Seit Februar verlangen die Menschen dort den Rücktritt Salihs. Die Sicherheitskräfte des Regimes töteten seitdem vermutlich mehr als 500 Demonstranten.

Zur selben Zeit hätten Salih-Truppen die Garnison von General Al-Ahmar mit Granaten beschossen. Mindestens 23 Soldaten des Militärführers, der sich nach Beginn der Proteste gegen Salih gestellt hatte, starben im Artilleriefeuer, wie es weiter hieß. 120 weitere wurden verletzt.

Al-Ahmars Armee-Division schützt die Demonstranten auf dem Taghier-Platz. Beobachter befürchteten, dass der Artillerieangriff eine weitere Zuspitzung der Lage nach sich ziehen könnte.

Die Opposition geht ohnehin davon aus, dass Salih einen offenen Bürgerkrieg anzetteln will, um sich dann als «Retter der Nation» präsentieren zu können. Der seit 33 Jahren autoritär herrschende Staatschef war erst am Freitag vor der Eskalation überraschend aus Saudi-Arabien zurückgekehrt. Dort hatte er sich wegen der schweren Verletzungen behandeln lassen, die er sich bei einem Bombenanschlag Anfang Juni zugezogen hatte.