Köln (dpa) - Lukas Podolski genoss das Bad in der Menge, klatschte beim berühmten «Kölle alaaf» begeistert im Takt mit und ließ sich von seinen Fans feiern wie schon lange nicht mehr in Müngersdorf.

Kein Zweifel: Der Nationalstürmer ist für den 1. FC Köln nach wie vor die Integrationsfigur, an der sich der gesamte Geißbock-Club aufrichtet: Mit dem überragenden 26-Jährigen gelang beim 2:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim im vierten Anlauf der erste Heimsieg in der 49. Saison der Fußball-Bundesliga.

«Es fühlt sich gut an, wenn man gewinnt - egal wo» - Podolski war es fast einerlei, dass der «Dreier» endlich auch im FC-«Wohnzimmer» unter Dach und Fach gebracht wurde. Elementarer war für ihn das positive Nachlegen nach dem 4:1 im Derby bei Champions-League-Starter Leverkusen, denn «es kann ganz schnell wieder nach unten gehen». Vorerst geht es mit dem FC nach oben - dank Podolski, der im Eifer des Gefechts gar nicht mitbekommen hatte, dass sich seine Kölner in der Tabelle am ungeliebten Nachbarn Bayer 04 vorbeischoben: «Da habe ich während des Spiels nicht dran gedacht.»

Nicht denken, sondern den Instinkt sprechen lassen. Das tat Podolski, als er nach dem 1:0 von Mato Jajalo (20. Minute) mit seinem bereits vierten Treffer dieser Spielzeit (63.) in unnachahmlicher Manier für die Entscheidung sorgte. Unmittelbar danach schaute er in den Himmel über der RheinEnergieArena und klärte diesen Blick später auf: «Es gab einen Trauerfall in der Familie. Und mein Tor habe ich dieser Person gewidmet.»

Trainer Stale Solbakken widmete seinem Top-Mann auch etwas: eine ganz spezielle verbale Auszeichnung. «Er ist unser bester Spieler, das weiß jeder - vielleicht ist er sogar der beste Spieler in der Bundesliga» - der Norweger adelte den von ihm abgesetzten FC-Kapitän, der sich trotzdem so ins Zeug wirft, wie es die Kölner Fans sehen wollen.

Solbakken-Widerpart Holger Stanislawski war bedient vom 0:2 und reagierte mit zynischem Humor auf den sehr schwachen Auftritt der in dieser Saison bislang so überzeugenden Kraichgauer: «Es ist wie mit kleinen Kindern. Man warnt und warnt und warnt, dass die Herdplatte heiß ist - aber man muss sie ja anfassen. Und das haben meine Spieler fantastisch gemacht.»

Stanislawski, der sich zu seinem 42. Geburtstag an diesem Montag etwas Schöneres als eine Pleite gewünscht hätte, muss sich speziell im mentalen Bereich etwas einfallen lassen, um seine junge Truppe davor zu schützen, dass sie vor lauter Euphorie nicht Wesentliches vergisst. Torwart Tom Starke sprach Tacheles: «Von der ersten Minute an waren elf Einzelspieler auf dem Platz. Wir haben zu doof und überhaupt nicht miteinander gespielt.» Und ausgerechnet jetzt kommen die Bayern nach Sinsheim. Stanislawski: «Wir werden mit unseren Jungs viel zu reden haben.»