Terrorismus: Kampfdrohne tötet hochrangigen Al-Kaida-Prediger
Sanaa/Washington (dpa) - Der Al-Kaida-Prediger Anwar al-Awlaki, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, ist im Jemen getötet worden. US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Tod des 40-jährigen Jemeniten mit US-Pass als «weiteren bedeutenden Meilenstein» im Bemühen, die Terror-Organisation zu besiegen.
Fünf Monate nach der Tötung Osama bin Ladens durch US-Truppen in Pakistan kam Al-Awlaki bei dem Beschuss durch eine ferngesteuerte US-Kampfdrohne ums Leben, wie ein US-Militärsprecher dem Sender CNN sagte.
Arabische Medien meldeten unter Berufung auf Stammesführer aus der Region, ein unbemanntes Kampfflugzeug habe am Freitagmorgen eine Rakete auf einen Konvoi im Bezirk Raghwan abgefeuert, an der Grenze zwischen den Provinzen Al-Dschauf und Marib. In einem Auto des Konvois habe Al-Awlaki gesessen, der tödlich getroffen worden sei. Zehn Begleiter seien ebenfalls ums Leben gekommen, darunter Mitglieder der Gruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel, sagte ein saudischer Terrorexperte dem Nachrichtensender Al-Arabija. Bewohner der Region erklärten, die Kampfdrohne habe schon seit drei Tagen über dem Gebiet gekreist.
Al-Awlaki gehörte zu den führenden Predigern des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Er soll viele Terroristen zu Anschlägen angestachelt haben. Der Extremist wurde 1971 als Sohn jemenitischer Eltern in den USA geboren, wo er auch studiert hat. Er besitzt die US-Staatsbürgerschaft. In seinen Hasspredigten hatte Al-Awlaki mehrfach zur Tötung von Amerikanern aufgerufen. Die USA führten ihn bisher auf einer schwarzen Liste von Terroristen, die «tot oder lebendig» gefasst werden sollen und versuchten mehr als einmal erfolglos, ihn aufzuspüren und zu töten. Lokale Medien hatten mehrfach falsch berichtet, Al-Awlaki sei bereits getötet worden
Die US-Regierung verweigerte am Freitag jegliche Aussagen über die Umstände der Tötung. Es werde keine Angaben zu «operativen Details» des Vorfalles und der Rolle der USA geben, sagten die Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, und des Außenministeriums, Victoria Nuland. Sie betonten, dass Al-Awlaki Islamisten im Jemen rekrutierte, um Anschläge im Ausland zu verüben. Er soll auch im Kontakt mit dem Amokläufer von Fort Hood gehabt haben, der Ende 2009 auf einem Militärstützpunkt in Texas 13 Menschen getötet hatte.
Auch mit dem 23 Jahren alten Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab, der Weihnachten 2009 über Detroit versucht hatte, einen Sprengsatz an Bord eines Passagierflugzeugs zu zünden, soll er laut US-Behörden in Verbindung gewesen sein. Er habe «ernsthafte» Terroranschläge geplant und umgesetzt, auch wenn sie schließlich gescheitert seien, sagte Carney. Ob die US-Regierung ihre Beweise für Al-Awlakis Taten vor seiner Tötung einem Richter vorgelegt hatte, wollte er nicht kommentieren.
Die Menschenrechtsorganisation ACLU kritisierte die US-Regierung, einen ihrer Bürger ohne Gerichtsverfahren «exekutiert» zu haben. Die Aktion verstoße gegen amerikanisches und internationales Recht.
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