Frankfurt (dpa) - Der Zustrom in deutsche Staatsanleihen kennt derzeit kaum ein Halten. Zu Wochenbeginn sorgten sehr schwache Aktienmärkte und eine hohe Unsicherheit wegen der Schuldenkrise für abermals starke Kursgewinne am deutschen Rentenmarkt.

Die Rendite der richtungsweisenden Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit sank am Montag entsprechend auf ein Rekordtief deutlich unter zwei Prozent. In der Spitze sank die Rendite im Vormittagshandel auf 1,923 Prozent. Im Gegenzug stieg der Euro-Bund-Future als Indikator für die Nachfrage nach deutschen Staatstiteln auf ein Rekordhoch von 137,73 Punkten.

Experten führen die außergewöhnlich starke Nachfrage nach sicheren Anlagen vornehmlich auf zwei Gründe zurück: Zum einen verweisen sie auf immer ungünstigere Konjunkturdaten aus vielen großen Industrieländern. Insbesondere in den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China deutet sich eine spürbare Abkühlung der Konjunktur an.

In den Vereinigten Staaten grassieren sogar Sorgen vor einer zweiten Rezession innerhalb weniger Jahre. Erst am Freitag hatte der US-Arbeitsmarkt mit einem stagnierenden Beschäftigungsaufbau und einer hohen Arbeitslosigkeit stark enttäuscht. Die US-Notenbank Fed könnte daher schon im September mit einer Lockerung ihrer ohnehin schon sehr expansiven Geldpolitik reagieren, heißt es von vielen Beobachtern.

Darüber hinaus gilt die europäische Schuldenkrise nach wie vor als ungelöst, was bei den Investoren für zusätzliche Verunsicherung sorgt. Zuletzt stand vor allem die Lage in Griechenland im Fokus: So wird der größte Schuldensünder Europas seine Haushaltsziele in diesem Jahr aller Voraussicht nach verfehlen. Die Sparziele sind jedoch Voraussetzung für internationale Hilfszahlungen, ohne die das südeuropäische Land seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

Darüber hinaus werden die Anleger von politischen Unwägbarkeiten in Italien verunsichert. Dort hatte die Regierung unlängst ein wichtiges Sparpaket wieder aufgeschnürt. Das drittgrößte Euro-Land vermittele derzeit ein Bild halbherziger Sparanstrengungen und habe sich damit den Zorn der EZB zugezogen, heißt es bei der HSH Nordbank. Hintergrund ist der Kauf italienischer Staatsanleihen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB), mit dem die Notenbank auf stark erhöhte Risikoaufschläge italienischer Staatspapiere reagiert hatte. Ein strikter Sparkurs gilt faktisch als Voraussetzung für die Anleihenkäufe.