EU Analyse: Finanzkrise reloaded

Frankfurt/Main (dpa) - Nie wieder - schworen sich die Politiker rund um den Globus nach der Lehman-Pleite 2008. Nie wieder sollte sich eine derartige Wirtschafts- und Finanzkrise wiederholen - bessere Kontrollen und Verbote für spekulative Produkte sollten dies verhindern.

Doch nur drei Jahre später stürzen die Börsenkurse erneut ab, das Misstrauen der Banken wächst und die Konjunktur schwächelt. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann fühlt sich bereits an den Herbst 2008 erinnert.

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Auf den ersten Blick haben die beiden Krise wenig miteinander zu tun. 2007/2008 platzte die Immobilienblase in den USA. Die Banken saßen auf faulen Krediten in Milliardenhöhe, die sie in komplizierten Finanzprodukten gebündelt und weiterverkauft hatten. Einige Institute standen kurz vor dem Kollaps und mussten mit Milliarden vom Steuerzahler gerettet werden. Derzeit erschüttern die enorme Staatsverschuldung in Euroland und die schwächelnde US-Konjunktur die Finanzmärkte. Dennoch besteht ein Zusammenhang.

«Die Konjunktur- und Bankenkrise nach der Lehman-Pleite wurde mit viel Geld bekämpft. Das hat die Neuverschuldung der Staaten nach oben getrieben und ihre Finanzkraft massiv geschwächt. Sie haben kaum noch Handlungsspielraum», sagt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. «Wir sehen den Tiger wieder Aug in Aug, aber letztes Mal hatten wir noch eine Kugel im Lauf».

Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzplatz und kein Finanzprodukt sollte mehr unbeaufsichtigt bleiben, schworen sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industriestaaten (G 20) nach der Lehman-Pleite. Doch noch ist vieles Stückwerk. Nach wie vor gibt es keine Regulierung von sogenannten Schattenbanken, zu denen auch hochspekulative Hedgefonds zählen. «Es ist weltweit momentan kein Konsens darüber herstellbar, diesen Bereich richtig so anzugehen wie den regulierten», kritisierte unlängst der Chef der deutschen Finanzaufsicht (Bafin), Jochen Sanio.

Vor allem London und New York gelten als Bremser, wenn es darum geht, der Branche genauer auf die Finger zu schauen, die mit Milliarden spekuliert. Der Derivatemarkt sei zehn Mal größer als die globale Wirtschaftsleistung. «Dieser Bereich ist völlig undurchsichtig», warnte der Bafin-Chef. Derivate gelten als «Brandbeschleuniger» in Krisenzeiten ebenso wie Leerverkäufe.

Auch hier gibt es bisher keine einheitliche Linie. Derzeit sind ungedeckte Leerverkäufe verschiedener Finanzaktien in Europa lediglich in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Belgien verboten. Im Mai einigten sich die EU-Finanzminister zwar diese Wetten auf schwächelnde Aktienkurse stärker zu überwachen, wegen des britischen Widerstandes bleiben aber ungedeckte Leerverkäufe von Kreditausfallversicherungen von dem Verbot ausgenommen.

  • Quelle dpa
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