Brüssel (dpa) - In Brüssel läuten wieder einmal die Alarmglocken. Das offizielle Europa schafft es nicht, die von Griechenland ausgelöste Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Die Börsen sind auf Abwärtskurs, die Angst vor einer Pleite des hoch verschuldeten Mittelmeerlands wächst.

Die Reisediplomatie nimmt wieder zu. So wird Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi am Dienstag EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Straßburg treffen. Rom steht unter Druck der Finanzmärkte und muss steigende Zinsen für langfristige Staatsanleihen berappen.

Die EU-Außenminister oder ihre Vertreter debattierten am Montag bei der Vorbereitung des EU-Gipfels Mitte Oktober natürlich auch über die Euro-Krise. «Im Augenblick sieht es nicht gut aus für Griechenland, das ist keine Frage», bilanzierte der österreichische Außenamtschef Michael Spindelegger mit Blick auf Bemühungen Athens, die Auflagen der europäischen Geldgeber für weitere Finanzhilfen doch noch einzuhalten.

In Brüssel setzen die Experten auf die Rückkehr der Experten-«Troika» an diesem Mittwoch. Die Fachleute von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds wollten in Athen die zusätzlichen Sparschritte überprüfen. Wie schon im Sommer steht ein neuer Krimi um die Auszahlung der nächsten Kredittranche von 12 Milliarden Euro aus dem «alten» Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro an.

Mit viel Interesse wird in Europas Hauptstadt die Berliner Debatte um das Griechenlanddrama verfolgt. So hatte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Wochenende eine geordnete Insolvenz Griechenlands als ultimative Maßnahme nicht mehr ausgeschlossen.

Der deutsche Außen-Staatsminister Werner Hoyer schlug bei den Beratungen andere Töne an. Er warnte ausdrücklich davor, eine Insolvenz Griechenlands herbeizureden. «Die Gefahr, dass es hier Dominoeffekte gibt, ist einfach zu groß. Und deswegen ist Behutsamkeit auch in der Wortwahl angesagt.» Es sei zwar legitim Szenarien auch über eine Insolvenz durchzuspielen. «Aber man soll es nicht herbeireden, wofür es gegenwärtig keine Grundlage gibt.»

Auch in den Niederlanden gibt es eine intensive öffentliche Debatte - so brachte Finanzminister Jan Kees de Jager unlängst einen Rauswurf für notorische Defizitsünder aus der Eurozone ins Gespräch - auch wenn dies derzeit nicht auf der Tagesordnung stünde.