Danzig (dpa) - Als Joachim Löw mit seinen Spaß-Fußballern zum Schnupperkurs im EM-Land eingeschwebt war, lachte ihnen gleich wieder die Sonne entgegen.

«CIESZYMY SIE NA ROK 2012» - «WIR FREUEN UNS AUF DIE EM 2012», prangte zweisprachig in großen Lettern zur Begrüßung auf dem Teambus, der Philipp Lahm und Co. direkt auf dem Rollfeld des Danziger Flughafens in Empfang nahm. Gute Laune ist bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der geglückten Qualifikation für den Sommer-Höhepunkt 2012 das Standardgefühl. Bundestrainer Löw aber will beim Test-Länderspiel in Polen am Dienstag seine Personaloptionen ernsthaft prüfen.

«Der Konkurrenzkampf treibt die Spieler an, die Spannung hochzuhalten», sagte Löw vor der Partie gegen den EM-Gastgeber. Supertalent Mario Götze darf ebenso vom Anpfiff an vorspielen wie Ersatztorwart Tim Wiese. Die Stammkräfte Miroslav Klose und Lukas Podolski fiebern derweil dem ersten Auftritt im Land ihrer Vorfahren entgegen. «Das ist schon etwas ganz Besonderes. Man ist dort geboren, man beherrscht die Sprache perfekt. Poldi und ich freuen uns, dass wir in Polen spielen können», sagte Klose.

Beim Ortstermin am Ostseestrand kann der DFB-Chefcoach seinen 50. Sieg als Bundestrainer einfahren. Doch blanke Resultate sind für Löw nach der Siegesserie in der Qualifikation sekundär. Ein möglicher Euphorie-Dämpfer würde den 51-Jährigen nicht aus der Ruhe bringen. Wie in Testspielen gegen weniger renommierte Gegner üblich, schickt Löw in Danzig auch Spieler aus der zweiten Reihe ins Rennen, damit das Fundament seines EM-Kaders keine Risse hat.

Für Klose und Podolski kam eine freiwillige Auszeit überhaupt nicht infrage. Ausdrücklich bat Klose den Bundestrainer, ihm die erste Möglichkeit zum Kick in seinem Geburtsland nicht zu nehmen. Auch Podolski wird das Spiel der Emotionen nicht verwehrt. «Ich freue mich nicht nur auf das Spiel, sondern auch auf die EM im nächsten Jahr, auch wenn es noch ein Stückchen hin ist», sagte Klose.

Mehr Platz für Gefühle ist aber nicht: In der neuen EM-Arena lässt Löw für den geschonten Mesut Özil wie vor vier Wochen beim tollen Brasilien-Test den allseits umjubelten Götze in der Startformation ran. Im Tor bekommt der im DFB-Trikot in vier Einsätzen bislang sieglose Wiese eine Chance. Davor rückt Per Mertesacker erstmals seit gut fünf Monaten und kurz vor seinem Umzug nach London wieder in die Abwehrformation.

Für den ebenfalls in Länderspiel-Urlaub geschickten Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger könnte Simon Rolfes hinter der offensiven Viererkette den Beweis seiner EM-Befähigung antreten dürfen. Der Kampf um die 23 persönlichen EM-Tickets ist nun in vollem Gange. «Die Möglichkeiten heute sind größer. Der Kader ist in der Breite qualitativ sicherlich anders besetzt. Es können auch Spieler mal adäquat ersetzt werden», sagt Löw und zieht den Vergleich zu früheren Tagen seiner fünfjährigen Amtszeit.