Berlin (dpa) - Nutzeraufstand gegen Google: Immer lauter wird der Protest gegen die Bestimmungen des Internet-Konzerns zur ausschließlichen Verwendung der echten Namen im Sozialen Netzwerk Google+.

Am Montag forderte eine Gruppe von 28 Netzaktivisten und Bundestagsabgeordneten Google in einem offenen Brief auf, die Nutzung eines Pseudonyms zuzulassen. Die Bedeutung der Kontroverse reicht weit über Google+ hinaus und wirft grundsätzliche Fragen zur Identität in der digitalen Gesellschaft auf.

«Google+ macht die Vernetzung mit Menschen im Web mit der Vernetzung von Menschen in der realen Welt ähnlicher», heißt es in der Begründung des Konzerns für seine Klarnamenregel. «Deswegen ist es wichtig, dass Sie ihren gewöhnlichen Namen verwenden, damit die Leute, mit denen Sie in Verbindung sein wollen, Sie finden können.»

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook hat ähnliche Regeln, wie eine Sprecherin erläutert: «Für Facebook sind Authentizität und Sicherheit von höchster Priorität. Nicht zuletzt deshalb verfolgt Facebook eine Klarnamen-Politik, der alle Nutzer bei der Anmeldung bei Facebook zustimmen.» Dadurch entstünden «echte, authentische Beziehungen, wie auch im realen Leben».

Doch Google+ ist nach dem Start vor gut zwei Monaten auch daran gegangen, die Einhaltung der Bestimmungen zu erzwingen. Zeitweise wurden mehrere Nutzerkonten suspendiert, darunter auch das der amerikanischen Bloggerin Violet Blue - obwohl diese wirklich so heißt. «Nach Überprüfung Ihres Profils haben wir festgestellt, dass der von Ihnen angegebene Name gegen unsere Community-Standards verstößt», hieß es in der Begründung, die von Blue veröffentlicht wurde.

«Die Nutzung eines Pseudonyms ermöglicht es Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen», erklären die Verfasser des am Montag veröffentlichten Briefs an Google-Europachef Philipp Schindler. «Dies ist essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie» - und entspreche auch der «natürlichen Begegnung in der Realität, wo sich Menschen zunächst ohne Namensnennung begegnen und einander dann vorstellen, wenn sie selbst es für geboten halten». Schließlich biete ein Pseudonym den Bürgern totalitärer Staaten einen Schutz vor Repressionen.

Initiator des Briefs ist der Hamburger Unternehmer Christoph Kappes. Zu den Erstunterzeichnern gehören die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Peter Tauber (CDU), Manuel Höferlin (FDP), Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Konstantin von Notz (Grüne) sowie Netzakteure wie Markus Beckedahl, Peter Glaser, Lars Hinrich, Jürgen Kuri, Sascha Lobo und Christiane Schulzki-Haddouti.