Istanbul/Tel Aviv (dpa) - Neue Spannungen zwischen Israel und der Türkei: Rund 40 israelische Flugpassagiere sind am Montag nach Angaben des Außenministeriums bei der Ankunft in Istanbul länger festgehalten worden.

Außenamtssprecher Jigal Palmor sagte, die Passagiere seien ohne Angabe von Gründen in einen Seitenraum geführt worden. Dort habe man ihnen die Pässe abgenommen. Nach etwa eineinhalb Stunden habe man sie gehen lassen und ihnen die Ausweise zurückgegeben.

Zuvor hatten sich türkische Touristen über die Behandlung bei der Ausreise am Flughafen Tel Aviv beklagt. Bei der Abreise nach einem Besuch in Jerusalem zum Ende des Fastenmonats Ramadan habe die israelische Polizei die Türken lange befragt und mehrfach das Gepäck durchsucht, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

«Dann wurden wir untersucht. Wir mussten uns komplett ausziehen. Die Frauen suchten sie in einem speziellen Raum ab. Nur türkische Touristen wurden so feindselig behandelt», zitierte die Agentur einen Touristen. Auf dem Rückflug habe das wegen der Durchsuchungen verspätet gestartete Flugzeug in Antalya eine Notlandung machen müssen, weil ein Reisender wegen der Behandlung gesundheitliche Probleme hatte.

Die seit langem schwelende Krise zwischen Israel und seinem ehemaligen Bündnispartner, der Türkei, war Ende vergangener Woche eskaliert. Die Türkei hatte am Freitag den israelischen Botschafter ausgewiesen und ein Militärabkommen mit Israel auf Eis gelegt. Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über die blutige Erstürmung eines Schiffes der Hilfsflotte für den Gazastreifen. Dabei hatten israelische Elitesoldaten am 31. Mai 2010 neun pro-palästinensische türkische Aktivisten getötet. Israel sprach von Selbstverteidigung.