Tel Aviv (dpa) - Weitere Spannungen zwischen Israel und der Türkei: Rund 40 israelische Flugpassagiere sind am Montag nach Angaben des Außenministeriums bei der Ankunft in Istanbul länger festgehalten worden.

Außenamtssprecher Jigal Palmor sagte, die Passagiere seien ohne Angabe von Gründen in einen Seitenraum geführt worden. Dort habe man ihnen die Pässe abgenommen. Nach etwa eineinhalb Stunden habe man sie gehen lassen und ihnen die Ausweise zurückgegeben.

«Das ist sehr ungewöhnlich», sagte Palmor über den Vorfall. «Wir versuchen noch herauszufinden, was sich dahinter verbirgt.» Nach israelischen Medienberichten waren die Israelis, überwiegend Geschäftsleute, mit einer Maschine der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines angekommen.

Die seit langem schwelende Krise zwischen Israel und seinem ehemaligen Bündnispartner, der Türkei, war Ende vergangener Woche eskaliert. Die Türkei hatte am Freitag den israelischen Botschafter ausgewiesen und ein Militärabkommen mit Israel auf Eis gelegt.

Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über die blutige Erstürmung eines Schiffes der Hilfsflotte für den Gazastreifen. Dabei hatten israelische Elitesoldaten am 31. Mai 2010 neun pro-palästinensische Aktivisten getötet. Israel sprach von Selbstverteidigung.

In dem UN-Bericht wird die Seeblockade vor der Küste des Gazastreifens als rechtmäßig bezeichnet. Auch den israelischen Soldaten wurde das Recht auf Verteidigung eingeräumt. Allerdings hätten sie exzessive Gewalt angewendet, heißt es. Die Türkei verlangt von Israel eine Entschuldigung sowie Entschädigung. Israel lehnt das ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat aber den Verlust an Menschenleben bedauert.