Addis Abeba/Nairobi (dpa) - Flammeninferno im Armenviertel: Ein Pipeline-Brand in einem Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat mindestens 120 Menschen das Leben gekostet.

Ein Leck in der Leitung, die durch die Elendssiedlung führte, verursachte nach Berichten von Augenzeugen eine Explosion. Das anschließende Feuer breitete sich demnach rasend schnell aus. Die Menschen hätten keine Chance gehabt zu fliehen, hieß es. Kenianische Medien berichteten, viele Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Ministerpräsident Raila Odinga zeigte sich tief bewegt und sagte bei einem Besuch an der Unglücksstelle, es seien Ermittlungen eingeleitet worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach seinem kenianischen Kollegen Moses Wetang'ula sein Beileid aus. «Mit großer Betroffenheit habe ich von dem schrecklichen Unglück in Nairobi gehört, welches das Leben so vieler Menschen forderte», hieß es in einem Schreiben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte seine Trauer über die Opfer der Brandkatastrophe in einer Botschaft an die Regierung und die Bevölkerung von Kenia aus. Die Hinterbliebenen versicherte Ban seines Mitgefühls, den Verletzten wünschte er schnelle Genesung.

«Es gab einen lauten Knall, eine schwere Explosion, und Rauch und Feuer stiegen in den Himmel», zitierte der Radiosender Capital FM den Anwohner Joseph Mwego. Der Brand sei um 8.30 Uhr Ortszeit ausgebrochen. Sirenen herbeieilender Krankenwagen heulten auf, während schreiende Kinder verzweifelt umherliefen, um ihre Eltern zu finden, hieß es. Mehr als 160 Verletzte wurden in das Kenyatta National Hospital gebracht. Das Krankenhaus rief dringend zu Blutspenden auf, um den unter schweren Verbrennungen leidenden Menschen helfen zu können.

Nach einem Bericht der Zeitung «The Standard» versuchten Anwohner, Kraftstoff aus der Pipeline abzuschöpfen, als es zur Explosion kam. Ein Reporter des britischen Senders BBC erklärte, wahrscheinlich habe jemand ein Streichholz angezündet und so den Brand ausgelöst. Auch von einer Zigarettenkippe war die Rede. Das Unglück ereignete sich im Industriegebiet Lunga Lunga, das in dem dicht besiedelten Sinai-Slum liegt.

Das Fernsehen zeigte Bilder von dichtem Rauch und von verkohlten Hütten. Viele Menschen waren in ihren Unterkünften aus Holz und Pappe von den Flammen überrascht worden. Andere starben bei dem Versuch, ihre brennenden Kleider und Haare in einem naheliegenden Fluss zu löschen.

Die Region wurde weiträumig abgesperrt. Umliegende Gebäude wurden evakuiert. Der Slum mit mehreren hunderttausend Einwohnern verläuft zu beiden Seiten einer Pipeline der staatlichen Kenya Pipeline Company. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, das Armenviertel räumen zu lassen.