Berlin (dpa) - Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ist raus, die Fußballerin des Jahres Fatmire Bajramaj darf nicht mit, und auch Dortmunds Kicker-Jungstar Mario Götze ist beim Olympia-Turnier 2012 nur Zuschauer. Dem deutschen Sport droht ein olympisches Tief in den attraktiven Ballsportarten.

Nur die beiden erfolgverwöhnten Hockey-Teams haben sich bisher für die Sommerspiele in London qualifiziert. Dagegen verpassten beide Fußball-Mannschaften (U21 Männer/Frauen) und auch die zwei Basketball-Teams das Ticket.

«Natürlich bin ich enttäuscht, dass eine ganze Reihe von Mannschaften in London nicht dabei ist, aber es gibt noch Chancen, bei Olympia angemessen vertreten zu sein», sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper der Nachrichtenagentur dpa. Als eine Ursache sieht er die international gewachsene Konkurrenz. «Andere Länder drängen in Sportarten, in denen sie vorher nicht so stark waren. Es ist zu früh, daraus einen Trend abzuleiten», meinte Vesper, der aber keinen Imageverlust für den deutschen Sport befürchtet: «Ich glaube an unsere Sportler und Sportlerinnen, die es noch schaffen können.»

Auch für Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis- Bundes (DTTB) und Vorsitzender der AG Spielsport im DOSB, ist das Aus der Basketballer bitter. «Olympia lebt von den Ballsportarten, da entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Beide Fußballteams sind nicht dabei, jetzt auch die Basketballer nicht, und die Handballer haben es sehr schwer. Wenn die alle fehlen, hat das Auswirkungen auf die Größe der deutschen Olympia-Mannschaft», sagte Weikert. Die wiederum bestimme die Zahl der Betreuer und Physiotherapeuten. «Wir im Tischtennis hätten gerne für unsere maximal sechs Olympia-Teilnehmer einen eigenen Physio - das wird jetzt sehr schwer.»

Für ein weiteres Negativerlebnis sorgte das EM-Aus der Volleyballer . «Das ist ein Rückschlag auf dem Weg zu Olympia», klagte Präsident Werner von Moltke vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nach dem 1:3 gegen Bulgarien in Prag. Die Volleyballer setzen nun auf ein Last-Minute-Olympia-Ticket beim Quali-Turnier in Berlin im Juni 2012.

Zwar sind vier von zwölf möglichen Olympia-Teams schon gescheitert, vor Olympia 2008 schaffte es aber immerhin noch ein Quartett durch die Hintertür nach Peking: Basketball-Männer, Handball-Frauen, Hockey-Herren und Volleyball-Männer. Doch der (Um)-Weg ist hart und beschwerlich. Selbst wenn bei internationalen Meisterschaften der Sprung aufs Podest glückt, ist damit oft erst der Weg zu einem weiteren Qualifikations-Turnier geebnet. Die betroffenen Trainer dürften verzweifeln, die Saisonplanung muss nachjustiert werden.

So müssen die Handballer im Januar 2012 in Serbien schon Europameister werden, um sicher bei Olympia zu sein. Gelingt das dem Weltmeister von 2007 nicht, wird es knapp: Die DHB-Männer dürften dann nur noch einem Team den Vortritt lassen, das ebenfalls noch nicht für die Olympia-Ausscheidung qualifiziert ist. Die Handball- Frauen können im Dezember bei der WM den Direktflug nach London buchen - doch dazu müssten sie Weltmeister werden.