Madrid (dpa) - Die zweite Goldmedaille verpasste Carsten-Otto Nagel am letzten EM-Tag nur knapp, doch die Olympia-Aussichten der deutschen Reiter sind glänzend. Dreimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze sammelten die Medaillen-Garanten des deutschen Sports im vorolympischen Sommer.

«Ich glaube, dass das eine sensationelle Bilanz ist», kommentierte der deutsche Verbandschef Breido Graf zu Rantzau in Madrid. Und mit Blick auf London fügte er an: «Es ist nicht unmöglich, das zu wiederholen.» Die Springreiter veredelten die Medaillensammlung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) mit dem Team-Gold und Platz zwei durch Nagel. «Es wäre mehr drin gewesen», sagte Nagel, dessen Gefühle nach seinem zweiten Einzel-Silber nach 2009 hin- und herschwankten, weil er mit Corradina am Sieg um nur 1,92 Strafpunkte vorbei ritt.

«Wir wollten Gold feiern, jetzt feiern wir eben Silber», sagte der 48-Jährige aus Norderstedt und kündigte für Olympia an: «Dann gewinnen wir eben das nächste Mal.» Nagel und seine 13-jährige Stute würden damit helfen, die Zielvereinbarung der FN mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu erfüllen. Fünf Medaillen sind von den Reitern eingeplant, zwei sollen sogar aus Gold sein.

Während die Springreiter nach dem sportlichen Debakel in Hongkong und der Doping-Problematik gestärkt aus ihrer Krise herausgekommen sind, bereitet ausgerechnet die Dressur Sorgen. Die einstigen Seriensieger im Viereck haben seit Olympia 2008 keine Goldmedaille bei EM oder WM gewonnen. Trotz des Millionen-Einkaufs Totilas war einmal Silber die magere Bilanz der diesjährigen Dressur-EM in Rotterdam. «Das ist sicher verbesserungswürdig», sagte der Verbandschef.

Das beste EM-Ergebnis erreichten im Jahr vor Olympia die Vielseitigkeitsreiter mit der Maximalausbeute: Team-Gold und drei Einzelmedaillen. «Vielseitigkeit und Springen ist sehr gut», sagte zu Rantzau: «Da arbeiten wir solide weiter.»

Besonders erfreut ist der FN-Chef über das Comeback der Springreiter, das nach dem Olympia-Desaster in dieser Form nicht zu erwarten war. «Die Arbeit unserer beiden Trainer ist vorzüglich», lobte zu Rantzau. Seitdem Cheftrainer Otto Becker und sein Co Heinrich-Hermann Engemann im Januar 2009 das Kommando übernahmen, geht es wieder bergauf.

«Die Pferde haben sich gut gezeigt», kommentierte der FN-Chef und lobte die «gute Mannschaftsleistung». Obwohl mit Marcus Ehning und Christian Ahlmann zwei Topleute ausgefallen waren, siegte das deutsche Team souverän. Mit Ahlmann kann Becker allerdings nicht für Olympia planen, da der Reiter aus Marl wegen seines Doping-Falls 2008 nach derzeit gültiger Rechtslage in London gesperrt ist.