New York (dpa) - Sabine Lisicki lächelte das ernüchternde US-Open-Aus einfach weg und ließ lieber die schönsten Szenen eines traumhaften Tennis-Sommers an sich vorüberziehen. Die 2:6, 3:6-Pleite im Achtelfinale gegen Vera Swonarewa soll sie nicht vom weiteren Weg an die Spitze abbringen.

«Ich bin mir sicher, dass meine Zeit kommt. Es geht Schritt für Schritt weiter. Ich glaube, wenn man mich kennt...», sagte die Berlinerin am Sonntagabend in New York und lachte nur über ihre kleine Drohung. Natürlich war Lisicki auch enttäuscht von sich. Das Duell Geheimfavoritin gegen Vorjahresfinalistin hatte viel versprochen, doch dann erinnerte ihre 77-minütige Abendpremiere im Arthur-Ashe-Stadium fatal an den letztjährigen Auftritt von Andrea Petkovic an gleicher Stelle ebenfalls gegen Swonarewa. Inzwischen wird die Darmstädterin, die Angelique Kerber ins Viertelfinale folgen wollte, viel besser mit derartigem Druck fertig.

Außenseiterin Angelique Kerber hatte zuvor in der Schwüle von New York eine elf Jahre lange Durststrecke der deutschen Tennis-Damen bei den US Open beendet. Als Erste seit Anke Huber 1999 und 2000 zog die Kielerin in das Viertelfinale ein. Mit dem 6:4, 6:3 gegen die Rumänin Monica Niculescu baute Kerber zudem ihr bestes Abschneiden bei einem Grand-Slam-Turnier aus. «Es ist einfach ein gutes Gefühl. Ich bin glücklich, und das Turnier ist ja noch nicht zu Ende», sagte Kerber, die nun auf die Weltranglisten-25. Flavia Pennetta aus Italien trifft.

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner fiel Lisickis Nervosität schon beim Einschlagen auf. «Das war nicht ihr Abend», kommentierte Rittner. Die Weltranglisten-18. bot der Nummer zwei zumindest im zweiten Satz Paroli, musste aber praktisch die gesamte Zeit ohne ihren gefürchteten ersten Aufschlag auskommen. Immer wieder brauchte Lisicki schon beim Ballwurf einen zweiten Versuch.

«Es war natürlich eine neue Situation. Ich bin nicht gut reingekommen und habe von Anfang bis Ende nicht gut aufgeschlagen. Ich hatte Probleme mit dem Rhythmus», sagte die 21-Jährige. «Ich habe gekämpft und alles gegeben, aber es hat leider nicht gereicht.»

Lisickis Vater und Trainer Richard sah die späte Anfangszeit um viertel vor zehn als ein Problem an, die von Wirbelsturm «Irene» verursachte chaotische Anreise als ein weiteres. Nach dem Turniersieg in Dallas landete der Lisicki-Tross erst am vorigen Montag, am Dienstag folgte gleich das erste Spiel, der Mittwochs-Schlager gegen Venus Williams fiel wegen der Absage der Amerikanerin aus.

Auch Sabine Lisicki ging deswegen nicht zu hart mit sich ins Gericht. «Ich hatte echt sehr, sehr wenig Zeit. Ich hätte schon in der ersten Runde ausscheiden können», sagte die Wimbledon-Halbfinalistin am Ende aufregender Monate, die mit dem dramatischen French-Open-Aus gegen Swonarewa im Mai ihren Anfang genommen hatten.