Berlin (dpa) - Die FDP ist mit ihrem Versuch, die Berlin-Wahl zur Euro-Abstimmung zu machen, gescheitert. Das ist gut für die Europapolitik der Kanzlerin - und schlecht für die Stabilität der schwarz-gelben Koalition.

In der CDU gibt es zu den Rettungschancen der schwächelnden schwarz-gelben Koalition im Bund folgenden Vergleich: Wie in einem abstürzenden Flugzeug solle sich jeder zunächst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen - und erst danach seinem Nachbarn helfen. Mit der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am Sonntag können die Christdemokraten von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein wenig aufatmen.

Im Konrad-Adenauer-Haus herrscht Erleichterung, dass die Hauptstadt-CDU ihren zweiten Platz hinter der SPD mit zartem Zugewinn behaupten und die Grünen deutlich auf Abstand halten konnte. Doch richtig helfen kann die Union der FDP von Philipp Rösler wohl nicht.

Der gibt am Wahlabend trotz des Absturzes auf unter 2 Prozent bei der Berlin-Wahl die Parole aus: «Der Weg ist steinig.» Man müsse hart daran arbeiten, dass die Ergebnisse besser werden. Von ihm wird nun dringend ein Rettungskonzept für die FDP erwartet - doch Rösler setzt vorerst weiterhin vor allem auf die Euro/Griechenland-Karte.

Trotz aller Ordnungsrufe aus der Union legt der Vizekanzler noch am Wahlabend nach in der Debatte über eine mögliche geordnete Insolvenz Griechenlands: «Die führenden Wirtschaftswissenschaftler haben sich klar hinter mein Konzept gestellt.» CDU-Vize Norbert Röttgen mahnt Verantwortung an: «Reden hat auch immer Wirkung, und das muss man wissen.»

Das Koalieren wird für die Union mit einer existenziell bedrohtem FDP nicht einfacher. Nach Röslers Einlassungen wurde international spekuliert, Deutschland wolle Athen in die Pleite gehen lassen. Merkel hatte Mühe, bei ihren EU-Partnern den Schaden zu begrenzen. Dabei ging fast unter, dass die CSU in Konfrontation zur Schwesterpartei CDU für den Rauswurf von Schuldensündern aus der Euro-Zone warb.

Die Freien Demokraten sind so dramatisch aus dem Landesparlament herausgeflogen, dass dies nicht allein ihrem Berliner Spitzenmann Christoph Meyer angelastet werden dürfte. Von den sieben Landtagswahlen in diesem Superwahljahr ist die FDP fünf Mal an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert: Zwei Mal unter Ex-FDP-Chef Guido Westerwelle und drei Mal unter seinem Nachfolger Rösler. In Berlin hat die junge Piratenpartei die Traditionspartei um ein Vielfaches überflügelt. Einen zweiten Wechsel an der Parteispitze in wenigen Monaten könne sich die FDP nicht leisten, heißt es in der Koalition.