London (dpa) - Harry Potter und sein bester Freund Ron fliegen mit einem Auto durch die Luft und krachen aus Versehen in einen fiesen Zauberbaum. Der zieht ihrer Rostlaube für die Störung auch noch mit seinen Ästen eins über.

Besonders lang ist diese Szene aus dem zweiten Harry-Potter-Film nicht. Für den Zuschauer daher kaum zu erkennen: Sage und schreibe 15 Original-Oldtimer wurden dafür benutzt, demoliert, und in verschiedene Stadien der Zerstörung versetzt.

So ähnlich ging es auch in unzähligen anderen Szenen zu, von denen die meisten Kinobesucher wohl dachten, dahinter könne nur Computer-Bearbeitung stecken. Vom kommenden Frühjahr an kann man sich bei einer Tour durch die Filmstudios von Warner Bros. im Norden Londons, in denen alle acht Filme gedreht worden sind, vom Gegenteil überzeugen. In zwei riesigen Hallen werden die Original-Kulissen, Kostüme und Requisiten zu sehen sein. Dabei gibt es tatsächlich Überraschungen: In den Filmen über den Zauberschüler ist nämlich sehr viel mehr echt als man in Zeiten von Computersimulation vermuten würde.

«Das ganze Studio war zehn Jahre lang voll von Harry Potter», sagt Michael Finney, der die Tour für Warner Bros. gestaltet. Er hat unter anderem an der Star-Trek-Tour in Las Vegas mitgearbeitet und ist immer noch überrascht, wie viel von den Potter-Drehs noch übrig ist. «Normalerweise werden Filmsets schnell weggeworfen, damit in den Studios Platz für neue ist», sagt er. «Aber hier blieben sie zehn Jahre lang stehen. Das ist sehr ungewöhnlich.»

Für die Tour, die Warner Bros. gerne als eine der größten neuen Attraktionen Londons im Jahr 2012, dem Jahr der Olympischen Spiele sehen würde, wurden allerdings direkt neben dem Original-Studio neue Hallen gebaut. Die Ausstattung bleibt dieselbe. Nach zehn Jahren Filmen werden die ursprünglichen Räume derzeit komplett saniert - dabei werden auch Löcher im Dach gestopft, durch die es während der Potter-Dreharbeiten auch mal hineinschneite oder reinregnete.

Damit alles so aussieht wie im Film, sind für den Aufbau der Tour viele der Ausstatter, Kostümbildner und Spezialeffekte-Leute zurückgekommen. So etwa John Richardson, der vor Potter schon für die Effekte in neun verschiedenen James-Bond-Filmen verantwortlich war. Er war zusammen mit einem Team von maximal 40 Leuten für zigtausende Effekte verantwortlich.

«Wir haben alles aus dem Nichts gebaut», sagt er, und zeigt auf eine Tür mit einem magischen Schlangen-Schloss, eine Gondel für die Fahrt in die Keller der Kobold-Bank Gringotts und Unmengen von Schrauben und Werkzeugen. «Die Leute denken immer: Das ist doch bestimmt am Computer gemacht. Das stimmt aber nicht.»