Düsseldorf (dpa) - Erster Rekord, erste EM-Kampfansage: Joachim Löw attestiert seiner jungen Elf nach dem 3:1 in der Türkei die «Qualität», auch Spanien nun schlagen zu können. Nach dem 10. Pflichtspielsieg soll auch gegen Belgien der Job «absolut seriös» erledigt werden - wohl mit Özil.

Langsam aber sicher kommen einem Joachim Löws Seriensieger spanisch vor. Und nach dem beachtlichen Qualitätsnachweis der jungen deutschen Spaßfußballer beim 3:1 (1:0) am Bosporus gegen desillusionierte Türken möchte der Bundestrainer der «klar besten Mannschaft» der letzten Jahre schon einmal den inoffiziellen Titel des Qualifikations-Europameisters wegschnappen. «Wir werden kein Spiel abschenken. Wir wollen auch das zehnte Spiel gewinnen», verkündete Löw nach seinem 50. Sieg als Bundestrainer mit Blick auf das Heimspiel gegen Belgien.

Löw lässt nicht locker - am Sonntagmorgen nahm er mit 21 Spielern inklusive Mesut Özil sowie den Nachrückern Toni Kroos und Ilkay Gündogan die Vorbereitung auf den Quali-Abschluss in Angriff. Miroslav Klose fehlte wegen einer schweren Knieprellung beim Training unter dem geschlossenen Hallendach der Düsseldorfer Arena ebenso wie die leicht angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Jérome Boateng. Mario Götze reiste ab, Löw gönnt dem Dortmunder eine Pause und hofft auf Özil. «Die Beschwerden an der Achillessehne sind geringer geworden», sagte der Real-Star, der in Istanbul nur Tribünengast war.

Im Fernduell der Belgier (15 Punkte) mit den Türken (14) um den zweiten Platz werde man als Gruppendominator auch den letzten Job in der Ausscheidungsrunde «absolut seriös» erledigen. Löw will Wechsel vornehmen, «aber nicht die gesamte Mannschaft austauschen».

Die Kampfansagen an Welt- und Europameister Spanien werden mit jedem Sieg forscher, zumal das DFB-Team in Istanbul selbst die Lücken von Spielmacher Özil, Torjäger Klose und Mittelfeld-Aufsteiger Kroos ohne Leistungseinbußen stopfen konnte. «Bei der EM wollen wir angreifen», sagte Löw am Sonntag im «Express». Man habe auf den Welt- und Europameister weiter aufgeholt, man könne Spanien - Endstation im EM-Finale 2008 und im Halbfinale der WM 2010 - nun schlagen, meinte der DFB-Chefcoach: «Im Moment haben wir die Qualität.»

Neun Spiele, neun Siege - mit dieser Maximalausbeute kann in allen Qualifikationsgruppen allein Vizeweltmeister Niederlande Schritt halten, der am letzten Spieltag in Schweden bestehen muss. Auch die Spanier stehen mit sieben Siegen in ihrer kleineren Gruppe noch makellos da. Sie sind für Teammanager Oliver Bierhoff «immer noch das Maß aller Dinge». Der EM-Titel werde kein «Selbstläufer», warnte Bierhoff in der ARD und erklärte das Halbfinale zur Minimalvorgabe für das Turnier in Polen und der Ukraine: «Unter die ersten Vier zu kommen, das sollte auch das Ziel bei der Europameisterschaft sein.»

Die Titeljäger 2012 avancieren immerhin schon zu Rekordhaltern 2011. Das 3:1 war der zehnte Pflichtspielsieg in Serie - eine Bestmarke in der DFB-Länderspielhistorie. Gegen Belgien könnte noch die Quali-Bestmarke folgen. «Der Rekord ist schon sehr wichtig. Zehn Spiele, zehn Siege - das wollen wir vollmachen», sagte Manuel Neuer.