Berlin (dpa) - Die Narben werden ihn vielleicht ein Leben lang an diesen Herbstmorgen erinnern: In Berlin hat es erneut eine schwere Prügelattacke auf einem Bahnhof gegeben. Unbekannte zertrümmerten einem 22-Jährigen am Samstag auf dem S-Bahnhof Schöneweide mit Tritten regelrecht das Gesicht.

Die Täter flüchteten, Fahnder sind ihnen aber auf der Spur, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag mitteilte. Das Opfer liegt weiterhin in der Klinik.

«Jochbein und Nase sind gebrochen, das Kinn ist angebrochen - er muss noch fünf Tage im Krankenhaus bleiben», sagte der Polizeisprecher. Ein heftiger Streit hatte am frühen Samstagmorgen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs zu dem Gewaltexzess geführt. Ob Alkohol im Spiel war, ist unklar.

Videoaufnahmen von der Tat gibt es nicht, weil auf dem Bahnhof keine Kameras montiert sind. Am Sonntag gaben weitere Zeugen der Tat aber neue Hinweise zu den beiden gesuchten Männern. Die Fahnder seien «sehr zuversichtlich», die flüchtigen Täter dingfest machen zu können, sagte der Polizeisprecher.

Wiederholt hatten in den letzten Monaten schwere Überfälle in Berliner U- und S-Bahnhöfen bundesweit Entsetzen ausgelöst. Erst am Freitag war unter großer Anteilnahme das 23 Jahre alte Opfer einer tödlichen Hetzjagd beigesetzt worden. Guiseppe M. war am 17. September im U-Bahnhof Kaiserdamm von jungen Männern angegriffen worden. Auf der Flucht rannte er vor ein Auto und kam dabei ums Leben.

Kurz nach der Attacke in Schöneweide wurde am Samstag in Schöneberg eine junge Frau in einer U-Bahn während der Fahrt brutal ausgeraubt. Die 18-Jährige hatte mit geschlossenen Augen Musik über die Kopfhörer ihres Handys gehört. Plötzlich hielt ihr ein Mann mit aller Gewalt den Mund zu, so dass sie nicht um Hilfe rufen konnte. Ein Komplize packte ihre Beine und hielt sie fest. Dann schnappten sich die Männer das Handy der wehrlosen Frau, schlugen ihr ins Gesicht und flüchteten.

Die neuen Gewaltexzesse im Berliner Nahverkehr werden wohl auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU sein, die an diesem Mittwoch beginnen. «Wir werden auch über Personal und Ausstattung bei der Polizei reden müssen», sagte der CDU-Vorsitzende Frank Henkel der «Bild am Sonntag». Man könne die öffentlichen gewalttätigen Überfälle nicht hinnehmen. «Das Thema innere Sicherheit in Berlin ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Regierungsarbeit», kündigte Henkel an, der als künftiger Berliner Innensenator gehandelt wird.