Suzuka (dpa) - Mit schampusnassem Haar kletterte Formel-1-Kaiser Sebastian Vettel zur Triumphgeste auf die Boxenmauer und genoss die Huldigung tausender Japaner auf der noch immer proppevollen Haupttribüne.

Zwei Stunden nach seiner Krönung zum jüngsten Doppel-Weltmeister pumpte das Disco-Lied vom «großen, bösen Wolf» aus den Lautsprechern vor der Red-Bull-Garage, Vater Norbert tanzte und Vettel umarmte überglücklich jeden einzelnen Mechaniker. «Es wird Zeit brauchen, das zu verstehen», gestand der Champion, nachdem er die ersten Titeltränen verdrückt hatte.

Unter dem Abendhimmel von Suzuka versanken der Hesse und sein Team im Partytaumel, auch wenn es im fünftletzten Saisonrennen nicht zum Sieg gereicht hatte. Bei seinem 14. Podiumsrang im 15. Grand Prix des Jahres musste Vettel McLaren-Pilot Jenson Button und Ferrari-Star Fernando Alonso den Vortritt lassen. Doch Platz drei war mehr als genug für Titel Nummer zwei - und das im Alter von 24 Jahren und 98 Tagen. «Wir hatten ein fantastisches Jahr - und das Beste daran ist: Es geht noch weiter», meinte Vettel, bevor er zur WM-Sause an einen geheimen Ort weiterzog.

«Ziemlich beeindruckend», befand Rennsieger Button, obwohl er diesmal mit reifenschonender Fahrweise den Deutschen bezwungen hatte. «Eine herausragende Leistung», sagte Vettel-Kumpel und Rekordweltmeister Michael Schumacher: «Definitiv macht mich das stolz. Wir sind Freunde.» Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner schwärmte: «Es ist phänomenal, was er erreicht hat.»

Längst trug Vettels Crew das extra gedruckte Weltmeister-Shirt und Vettel-Kappen. «Allein hätte ich das nicht geschafft», richtete der Ausnahmepilot seinen Dank ans Team. Im Voll-Sprint war Vettel nach dem TV-Marathon zu seinen Helfern gerannt, um endlich mit ihnen feiern zu können. Senior Norbert brach ergriffen schluchzend ein «Sky»-Interview ab und eilte mit zwei überdimensionalen Vettel-Fingern aus Schaumstoff in die Box. «Es macht mich sehr stolz. Das ganze Jahr war ein Traum für uns», sagte der Weltmeister.

329 Tage nach dem ersten WM-Titel im Herzschlagfinale von Abu Dhabi machte Vettel diesmal kurzen Prozess. Früher krönten sich in der Historie lediglich Nigel Mansell vor 19 und Michael Schumacher vor 9 Jahren. Button, der als letzter Vettel-Verfolger übrig geblieben war, kann den 114 Punkte-Rückstand auf den Deutschen in den vier noch kommenden Rennen nicht mehr aufholen.

In Vettels Heimatgemeinde Heppenheim gab es kein Halten mehr. Seit 7.00 Uhr morgens hatten mehrere tausend Anhänger im 23 000-Einwohner-Ort an der Bergstraße den Triumph ihres Helden verfolgt. «Ich bedanke mich bei all meinen Fans in der Heimat», grüßte Vettel aus Japan.