Damaskus/Beirut/Berlin (dpa) - Nach der kaltblütigen Ermordung des kurdischen Oppositionsführers Meschaal Timo spitzt sich der Konflikt in Syrien dramatisch zu. International gerät das Gewaltregime von Machthaber Baschar al-Assad weiter unter Druck.

An diesem Montag beraten die EU-Außenminister über die Krise in dem arabischen Land.

Timo (53) war am Freitag von maskierten Männern in seinem Haus in Kamischli erschossen worden. Beobachter und Oppositionelle erklärten, der Mord gehe auf das Konto des Assad-Regimes. Syrische Kurden im Ausland drangen gewaltsam in die syrischen Vertretungen in Berlin, Hamburg, Wien und Genf ein. Sie wollten auf diese Weise ihrer Empörung Luft machen.

Zehntausende folgten am Samstag in Kamischli dem Sarg Timos. Sicherheitskräfte feuerten auf die Menschen. Mindestens fünf Teilnehmer kamen ums Leben, berichteten syrische Aktivisten von den örtlichen Komitees der Protestbewegung.

Aktivisten beschrieben die Stimmung als aufgeheizt. Wie die Webseite «All4syria» berichtete, wurden bei Protesten in der kurdischen Ortschaft Amude nahe der türkischen Grenze Statuen, Bilder und andere Symbole der Herrschaft der Assad-Familie zerstört.

Timo war führendes Mitglied der kurdischen Zukunftspartei und ein scharfer Kritiker des Assad-Regimes. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete über seine Ermordung und schrieb sie «vier Bewaffneten» zu, die ein schwarzes Auto benutzt hätten. Art und Weise der Bluttat deuteten aber darauf hin, dass die Attentäter dem Geheimdienst oder einem der regimetreuen Schlägertrupps angehörten, hieß es nach Einschätzung von Beobachtern. Bei dem Anschlag wurden ein Sohn Timos und eine Besucherin durch Schüsse verletzt.

Der Kurden-Politiker war auch einer der Organisatoren der Massenproteste in Kamischli gegen das Assad-Regime. Zuvor hatte er zwei Jahre aus politischen Gründen im Gefängnis gesessen. Kamischli ist eines der Zentren der kurdischen Volksgruppe in Syrien. Die rund zwei Millionen Kurden im Land werden vom Regime systematisch diskriminiert.