Warschau (dpa) - Polen hat ein neues Parlament gewählt. Mehr als 30 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die 460 Abgeordneten zu bestimmen. Alle Umfragen vor der Wahl hatten ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt.

Demnach lag die regierende Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk in der Wählergunst knapp vorn. Allerdings hatte Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski in der Schlussphase des Wahlkampfes mit antideutschen Äußerungen aufgeholt.

Der 62 Jahre alte Kaczynski von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte seinen Wahlkampf auf die Unzufriedenen im Land zugeschnitten. Obwohl die polnische Wirtschaft nach dem EU-Beitritt des Landes 2004 boomt, profitieren vor allem in den ländlichen Regionen viele Menschen nicht vom Wachstum und neuem Wohlstand. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch.

Auch eine neu gegründete Protestpartei, die Ruch Palikota des ehemaligen PO-Abgeordneten Janusz Palikot, wollte von den vielen Unzufriedenen profitieren. Vom absoluten Außenseiter hatte sich die Gruppe mit bunten Auftritten im Wahlkampf und der Forderung nach kostenlosen Verhütungsmitteln und freiem Internet in die Schlagzeilen gebracht. Umfragen zufolge könnte die Bewegung nicht nur den Einzug ins Parlament schaffen, sondern auf Anhieb drittstärkste Kraft werden.

Ministerpräsident Tusk (54) wiederum warb mit seinen guten Kontakten zu den EU-Partnern. Nur unter seiner Regierung würde es gelingen, EU-Fördermittel in Milliardenhöhe für Polen zu erkämpfen, wiederholte der amtierende EU-Ratspräsident immer wieder.

Bis 14.00 Uhr hatten sich nach Angaben der staatlichen Wahlkommission gut 23 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Die Wahllokale sollten um 21.00 Uhr schließen.

Bei der Wahl kam es zu einigen Zwischenfällen. Im westpolnischen Gorzow Wielkopolski kam es zu einer mehrstündigen Verzögerung bei der Abstimmung in einem der Wahllokale, weil ein verdächtiges Paket gefunden wurde, das möglicherweise Sprengstoff enthielt. Auch in anderen Wahllokalen kam es nach Bombendrohungen zu Verzögerungen. Im ostpolnischen Lublin musste ein Wahlleiter von seinem Posten entfernt werden - er war betrunken zur Öffnung des Wahllokals erschienen.