London (dpa) - Jahrelang ist Noel Gallagher vor allem durch eines aufgefallen: den Streit mit seinem Bruder Liam. Das einstige Erfolgspaar von der Britpop-Band Oasis («Don't Look Back In Anger») stritt und streitet bis aufs Blut.

Jetzt könnte dem 44-jährigen Noel ein Punktsieg im Bruderzwist gelingen: Sein erstes Soloalbum, das an diesem Freitag in Deutschland und am Montag in Großbritannien auf den Markt kommt, verkauft sich offenbar glänzend.

Gallagher lag mit seinem Longplayer «High Flying Birds» (von seinem eigenen Label Sour Mash Records produziert) am Donnerstag bei den Vorbuchungen bei Amazon in Großbritannien um 13 Prozent vor dem eigentlichen Favoriten Matt Cardle, wie die Verkaufsplattform mitteilte. «In den letzten paar Wochen haben wir eine signifikante Steigerung bei der Nachfrage für Noels ersten Versuch nach Oasis festgestellt», sagte Paul Firth, bei Amazon für die Musikverkäufe in Großbritannien zuständig.

Und was natürlich noch viel wichtiger ist: Noels Album erreichte zum selben Zeitpunkt kurz vor der Veröffentlichung um 252 Prozent mehr Vorbestellungen als das Album «Different Gear, Still Speeding» - das hatte Bruder Liam mit seiner Oasis-Resttruppe Beady Eye herausgebracht. Noel, der Oasis 2009 hatte platzen lassen, hat sogar seine Scheu vor Musikvideos aufgegeben. Noch vor der Plattenveröffentlichung kamen drei Videos heraus, schreibt das Fachmagazin «Rolling Stone».

Dabei sind sich die Kritiker auf der Insel einig: Viel Neues hat der ehemalige Gitarrist Noel, der eigentlich nie alleine auf der Bühne stehen wollte, auf seiner ersten Platte nicht zuwege gebracht. «Ein bisschen interessanter als Oasis» klinge der Opener «Everybody's On The Run» schon, vor allem wegen der starken Stimmen des Londoner Crouch End Festival Chorus, befindet der «Guardian». Dann folge aber im Wesentlichen nur noch Erwartbares: «Eine wehmütige Akustik-Schufterei im mittleren Tempo.»

An der Vorbereitung hat es nicht gelegen. Noel Gallagher hatte sich für sein Album nach eigenen Angaben viel Zeit gelassen und schon im vergangenen Jahr mit der Arbeit begonnen. «Es war schön, nicht auf die Uhr schauen zu müssen», hatte er noch im Juli der Nachrichtenagentur dpa gesagt. Und er hat es genossen: «Ich habe meine Songs allein gesungen. So musste ich niemandem erklären, worum es geht.»