Yeongam (dpa) - Die Partytournee von Sebastian Vettel geht in die Ehrenrunde - und ist doch nur eine Zwischenstation auf dem Weg in eine Formel-1-Ära. Eilig verließ der unersättliche Weltmeister nach seinem Südkorea-Sieg die graue Hafenstadt Yeongam, Vettel hat schließlich noch viel mehr vor.

«Die Leute hatten erwartet, dass wir es jetzt locker nehmen. Aber wir sind hier, um zu gewinnen und unser Bestes zu geben», erklärte der 24-Jährige. Fahrertitel, Team-WM, beides zum zweiten Mal - aber Vettel siegt einfach weiter und gibt seinen Rivalen damit schon einen Vorgeschmack auf 2012.

«Vettel unterstreicht erneut seinen Status als Titelsammler», hieß es im englischen «Daily Telegraph». Und im Ferrari-Land Italien titelte «Corriere della Sera»: «In der Formel 1 geht es nur noch um die Ehre. Und die gebührt Vettel.»

Wer auch immer im Lager der Verfolger gehofft hatte, der Hesse und sein Red-Bull-Team würden berauscht von soviel Erfolg vom Gas gehen, sieht sich getäuscht. «Die Feier von Suzuka hat ihm nichts an Entschlossenheit genommen. Im Gegenteil!», erkannte «La Gazzetta dello Sport». «Jetzt gibt es kein Halten mehr», sagte Teamchef Christian Horner. Der Brite meinte damit zwar eher die verbleibenden drei Saisonrennen, hätte aber genauso vom kommenden Jahr sprechen können.

In den kommenden Tagen werden Vettel und Co. schon die nächsten Jubelbilder liefern. Für Mittwoch ist die Betriebsfete in der Red-Bull-Rennfabrik im englischen Milton Keynes angesetzt. Am Samstag kommt Vettel dann mit seinem Wunderauto «Kinky Kylie» zum Heimspiel nach Heppenheim.

Der Blick des Doppelchampions aber geht schon viel weiter. In dieser Saison kann er noch den Siegesrekord von Michael Schumacher von 13 Erfolgen aus dem Jahr 2004 einstellen. «Es ist gut zu sehen, dass das Team weiter hart arbeitet», lobte er seine Crew. Denn parallel läuft auch das Unternehmen dritter Titel längst auf vollen Touren. Chef-Designer Adrian Newey verzichtete auf die Südkorea-Reise und trieb lieber in Milton Keynes die Entwicklung des RB8 voran.

Der 60-Millionen-Zuschuss für den Gewinn der Team-WM kommt da gerade recht. McLaren bekommt für den zweiten Platz rund 15 Millionen Euro weniger aus dem Formel-1-Vermarktungstopf. Für Ferrari und Mercedes fällt der Bonus noch geringer aus. In jedem Fall ist eine gewaltige Anstrengung der Verfolger nötig, ein weiteres Jahr Red-Bull-Dominanz zu verhindern. «Wir werden neue Dinge versuchen, vielleicht ein paar Risiken bei der Strategie eingehen», sagte Ferrari-Star Fernando Alonso.