Paris (dpa) - Mit einer geeinten Partei will Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat François Hollande im kommenden Frühjahr Präsident Nicolas Sarkozy als Staatschef ablösen.

Unmittelbar nach seiner Wahl bei der erstmals organisierten Präsidentschafts-Kandidatenkür der Parti Socialiste (PS) rief er noch am Sonntagabend zur Geschlossenheit auf. Die Vorwahl sei nur eine Etappe auf dem Weg zum Machtwechsel im Elysée-Palast. «Ich will unserer Nation wieder Vertrauen geben», versprach der als «Mann der Mitte» geltende langjährige Parteichef seinen Anhängern.

Er hatte sich bei einer Stichwahl gegen seine Rivalin Martine Aubry mit knapp 57 Prozent deutlich abgesetzt. Die Parteichefin erkannte den Sieg von Hollande an. «Von nun an verkörpert er die Hoffnungen», sagte sie und rief ebenfalls zur Geschlossenheit auf. Öffentlich nicht in Erscheinung getreten war am Sonntag der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, der noch vor Monaten als aussichtsreichster Kandidat für die Sozialisten gegolten hatte. Er stolperte aber über eine Sex-Affäre in einem New Yorker Hotel.

Der schon in der ersten Vorwahlrunde ausgeschiedene Kandidat Manuel Valls betonte vor allem die große demokratische Legitimation des nun gefundenen Kandidaten. Die Vorwahl hatte in der zweiten Runde rund drei Millionen Links-Wähler mobilisiert. Interimsparteichef Harlem Désir wertete die erste offene Abstimmung von Frankreichs größter Oppositionspartei nach US-Vorbild als Erfolg. Er wird sein Amt nun wieder an Aubry abgeben, den Vorsitz für die Zeit der Vorwahl hatte ruhen lassen.

Der am 12. August 1954 in Rouen/Normandie geborene Arztsohn François Hollande hatte nach einem Jura- und Politikwissenschaften-Studium die Elite-Hochschule Ecole Nationale d'Administration (ENA) besucht. 1979 trat er in die Sozialistische Partei ein, schloss sich aber im Richtungsstreit keinem der Flügel an. Im Kampf um ein Mandat für die Nationalversammlung unterlag Hollande 1981 dem späteren Präsidenten Jacques Chirac in dessen Heimat-Departement Corrèze, wo er diesmal in der Stichwahl seiner Partei knapp 95 Prozent der Stimmen errang.

Zur Abstimmung aufgerufen waren alle linksgerichteten Franzosen unabhängig davon, ob sie der PS angehören. Auf das konservativ-rechte Regierungslager übt der Erfolg der Vorwahlen Druck aus, selbst ein ähnliches Verfahren zu organisieren. Sämtliche Spitzenpolitiker haben aber betont, dass man erst bei den übernächsten Wahlen 2017 darüber nachdenken werde. Für 2012 sei Sarkozy der «natürliche Kandidat». Er ist momentan mit rund 30 Prozent Zustimmung im Popularitätstief und will nach Medienangaben nun mit seinem eigenen Wahlkampf für eine Wiederwahl beginnen.

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