Frankfurt/Main (dpa) - Nervosität vor dem EU-Gipfel sowie verhaltene Aussagen der US-Notenbank zur Konjunkturentwicklung haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ins Minus gezogen.

Der Dax sank bis zum Mittag um 0,54 Prozent auf 5881 Punkte, nachdem er an den beiden vorangegangenen Handelstagen noch ein moderates Plus eingefahren hatte. Für den MDax ging es am Donnerstag um 0,92 Prozent auf 8852 Punkte nach unten, der TecDax stieg dagegen dank der Kursgewinne einiger Schwergewichte um 0,25 Prozent auf 690,77 Punkte.

Auf die Stimmung drückte einem Marktteilnehmer zufolge etwa, dass ein Minigipfel von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Bundeskanzlerin Angela Merkel und den EU-Spitzen am Mittwoch in Frankfurt offenbar keinen Durchbruch bei der Bewältigung der Schuldenkrise gebracht habe.

«Die Anleger überreagieren derzeit bei jeder kleinen politischen Nachricht», sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Während der Markt mit Blick auf den EU-Gipfel am Wochenende unrealistische Erwartungen habe, rechne sie eher nicht mit einer «komplexen, systemischen Lösung».

Zudem kommt die US-Wirtschaft nach Einschätzung der Fed weiterhin nicht richtig in Schwung. Zum einen gestalte sich der Aufschwung vielerorts mäßig oder schwach, zum anderen sei der Ausblick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung in den USA unsicher.

Uneinheitlich entwickelten sich die am Vortag noch allesamt sehr festen Bankenwerte. Während die Papiere der Commerzbank gegen den Trend 1,35 Prozent auf 1,654 Euro gewannen, sackten die Titel der Deutschen Bank als schwächster Dax-Wert um 3,32 Prozent auf 26,615 Euro ab. Börsianer verwiesen auf Studien und Berichte zum künftigen Kapitalbedarf der Branche.

In einer Barclays-Studie hieß es, dass unter Annahme verschiedener Szenarien der Kapitalbedarf der europäischen Banken zwischen 174 und bis zu 340 Milliarden Euro liegen könnte. Bislang sei der Markt von 100 bis 220 Milliarden ausgegangen, sagte ein Händler. Andere Marktteilnehmer nannten wiederum einen Bericht der «Financial Times», wonach sich der Kapitalbedarf auf lediglich 70 bis 90 Milliarden Euro belaufen könnte.