Berlin/Athen/Brüssel/Frankfurt/Main (dpa) - Blitzbesuch in Deutschland: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in der Euro-Schuldenkrise den Schulterschluss gesucht.

Mit einem Telefonat und einem überraschenden Besuch in Frankfurt am Main wollte Sarkozy offensichtlich Streitigkeiten mit Merkel ausräumen. So soll der Weg für ein wirksames Maßnahmenpaket gegen die Euro-Schuldenkrise beim EU-Gipfel an diesem Sonntag in Brüssel geebnet werden.

Beim kurzfristig angesetzten Treffen von Sarkozy und Kanzlerin Merkel in Frankfurt am Mittwoch waren nach Brüsseler Angaben auch mehrere EU-Spitzen eingeladen. Wie EU-Diplomaten in Brüssel am Abend berichteten, saßen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy, Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker und der neue Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, mit am Tisch. In Frankfurt wurde Draghis Amtsvorgänger Jean-Claude Trichet verabschiedet.

Das Treffen sei eine gute Gelegenheit, die Zusammenkunft der Euro-Finanzminister an diesem Freitag in Brüssel vorzubereiten, hieß es. Bei dem Ministertreffen - unmittelbar vor dem EU-Gipfel am Wochenende - wird es um die Griechenland-Hilfen, die Stützen für europäische Banken zur Absicherung gegen Risiken aus der Schuldenkrise und um die Stärkung des europäischen Krisenfonds für finanzschwache Eurostaaten EFSF gehen.

Merkel und Sarkozy hatten am Mittwoch zunächst telefoniert. Es sei gute Übung, sich vor EU-Gipfel abzustimmen, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Sarkozy hatte am Nachmittag noch seine hochschwangere Frau Carla Bruni-Sarkozy in einer Pariser Klinik besucht.

Dass die Eurozone zunehmend an Vertrauen verliert, attestierte die US-Ratingagentur Moody's: Sie stufte Spaniens Kreditwürdigkeit herunter. Im von der Pleite bedrohten Griechenland begehrt das Volk gegen die Regierung auf: Massenstreiks legen das Land lahm, in Athen gingen Demonstranten auf die Polizei los.

Merkel hatte in Frankfurt bei der Verabschiedung von EZB-Präsident Trichet noch einmal den Ernst der Lage deutlich gemacht: «Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Aber das werden wir nicht zulassen.»