EU Erleichterung nach Durchbruch in der Schuldenkrise

Brüssel/Berlin (dpa) - Mit einem gigantischen Hilfspaket wollen die Euro-Staaten die Schuldenkrise eindämmen und den Euro absichern. Börsen und Politiker reagierten erleichtert auf den nach zähen nächtlichen Verhandlungen erzielten Durchbruch.

Der Schutzwall gegen die gefährliche Krise umfasst ein neues 100-Milliarden-Euro-Paket sowie einen Schuldenschnitt für Griechenland. Dazu kommt die Rekapitalisierung von Banken, ein stärkerer Rettungsfonds EFSF und ein Sparprogramm in Italien. Die Ergebnisse des Gipfels überzeugten die Märkte vorerst. Der Dax schoss am Donnerstagmittag um fast 4,2 Prozent auf 6265 Punkte - den höchsten Stand seit Anfang August.

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Zur Verhinderung einer Pleite werden Griechenland die Hälfte seiner Schulden erlassen. Private Gläubiger wie Banken und Versicherer verzichten auf entsprechende Forderungen. Die 17 Euro-Staaten verständigten sich darauf, die Schlagkraft des Rettungsfonds EFSF auf eine Billion Euro zu vervielfachen. Details müssen in den kommenden Wochen von den EU-Finanzministern ausgearbeitet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach zehnstündigen Beratungen in Brüssel: «Wir haben heute Nacht gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen. Mir ist sehr bewusst, dass die Welt heute auf diese Beratungen geschaut hat.» Es gebe nicht den einzigen Paukenschlag. «Aber dies hier ist ein wichtiges Paket auf dem Weg zu mehr Stabilität und zu einer Stabilitätsunion.»

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nannte die Beschlüsse historisch. «Ich denke, das Ergebnis wird mit Erleichterung von der ganzen Welt aufgenommen werden, die auf mutige Entscheidungen von der Eurozone gewartet hat.»

Die führenden Banken des Kontinents müssen sich gut 106 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Nur so kann die Branche nach Berechnungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) den Schuldenerlass verkraften. Deutsche Banken brauchen frisches Kernkapital in Höhe von 5,18 Milliarden Euro. Denn damit die Banken nicht zusammenbrechen, müssen die systemrelevanten Banken ihre harte Kernkapitalquote bis zum 30. Juni 2012 auf neun Prozent anheben.

Die Euro-Staaten sichern den Schuldenschnitt mit Garantien in Höhe von 30 Milliarden Euro ab. Die Verschuldung Griechenlands soll bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Dieser Wert gilt noch als tragfähig. Erlaubt sind nach den Regeln der Währungsunion sogar nur maximal 60 Prozent. Griechenlands Schuldenlast dürfte 2012 nach Prognosen auf rund 170 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen. Auf Basis der Verringerung der Schulden soll es ein neues Griechenland-Programm mit einem Wert von 100 Milliarden Euro geben, das das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm ersetzt.

  • Quelle dpa
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