Berlin (SID) - Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages macht mit seiner neuen Politik der Aussperrung ernst. Am Mittwoch bat das Gremium des Parlaments die Spitzen des Sports vor die Tür. DOSB-Präsident Thomas Bach und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper mussten sich auf dem Flur die Füße vertreten, ehe sie zum Tagesordnungspunkt Olympia hereingerufen wurden.

"Man muss das respektieren", sagte Bach und verkniff sich zur neuen Linie kritische Worte. "Ich glaube nicht, dass sich das negativ auf die politische Arbeit auswirkt." Nachdem Bach und Vesper über die Planungen des DOSB bis 2014 sowie über die gescheiterte Olympia-Bewerbung Münchens 2018 referiert hatten, musste sie den Sitzungssaal wieder verlassen.

In der Vorwoche hatte der Ausschuss mit den Stimmen der Koalition festgelegt, dass die Sitzungen in Zukunft unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden haben. Auch die Presse wurde ausgesperrt. CDU/CSU und FDP reagierten damit auch auf die negative Berichterstattung in einigen Medien. Dort wurden einigen Parlamentariern ein mangelndes Interesse an der Ausschussarbeit vorgeworfen. Grünen-Sprecherin Viola von Cramon verglich den Vorstoß von Schwarz-Gelb mit "Putins Methoden".

Die SPD will zurück zu alten Verhältnissen und stellte am Mittwoch vor der Sitzung einen Antrag auf Beteiligung der Öffentlichkeit - ohne Erfolg. Die Koalition stimmte dagegen. Mit Ironie sprach Martin Gerster (SPD) im Anschluss aber von einem Teilerfolg, immerhin dürften Praktikanten und Stipendiaten weiterhin teilnehmen.

Zu Hause verschlossen, aber für die weite Welt gerüstet. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr begibt sich der Sportausschuss auf große Fahrt und besucht ab dem 12. November für eine Woche Chile und Brasilien. Am Zuckerhut wollen sich die Parlamentarier über den Stand der Infrastruktur vor den Großereignissen Fußball-WM (2014) und Olympia (216) austauschen. Es handele sich aber nicht um eine "Vergnügungs - oder Lustreise", wie Ausschuss-Mitglied Joachim Günther (FDP) meinte.