München (dpa) - Das sportlich zufriedenstellende Debüt von Eishockey-Bundestrainer Jakob Kölliker mit dem zweiten Platz beim Deutschland Cup wird von einer Funktionärs-Posse überlagert.

Die 22. Auflage des Vier-Nationen-Turniers in München war noch gar nicht beendet, da wurde schon wieder in aller Öffentlichkeit über die Zukunft der Nationalmannschaft debattiert. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Uwe Harnos, offenbarte bereitwillig das Theater um die Sportdirektor-Suche. Zudem stellte er Köllikers Zukunft als Bundestrainer über die WM hinaus indirekt infrage.

«Der Gradmesser ist immer der sportliche Erfolg», befand Harnos. Der sportliche Erfolg war durch den folgenden 3:1-Sieg zum Abschluss gegen die USA und Platz zwei für den Anfang in Ordnung, auch wenn der Titel-Hattrick nach den Siegen 2009 und 2010 unter Uwe Krupp verpasst wurde. Letztlich entscheidend ist aber erst die WM in einem halben Jahr in Schweden und Finnland.

Harnos sprach dabei von der «Mindestanforderung Viertelfinale» und berichtete, nach wie vor mit dem ehemaligen Schweizer Nationaltrainer Ralph Krueger «in Kontakt» zu stehen. Den deutsch-kanadischen Co-Trainer des NHL-Top-Clubs Edmonton Oilers halten viele für den eigentlichen DEB-Wunschkandidaten als Nationaltrainer.

Kölliker war zum ersten Mal in seiner noch jungen Ära machtlos und zuckte nur noch mit den Schultern. «Auf das Politische habe ich keinen Einfluss», sagte der 58 Jahre alte Berner nach dem Sieg gegen die USA. Er wird mit Wohlwollen eine weitere Weisheit von Harnos vernommen haben. «Wenn er mit der Mannschaft sportlich Erfolg hat, wäre es dumm, nicht daran festzuhalten», sagte Harnos und erinnerte, dass es «auch mit Uwe Krupp ein Auf und Ab» gegeben habe.

Auch der Kopf des unerwarteten Erfolgs mit der nur knapp verpassten ersten Medaille seit 1953 bei der WM 2010 galt ein Jahr zuvor schon als gescheitert. Deutschland war eigentlich abgestiegen, blieb nur wegen der folgenden Heim-WM erstklassig. Franz Reindl, damals noch Sportdirektor und Generalsekretär in Personalunion, setzte sich für einen Verbleib Krupps ein und behielt recht.

Inzwischen wurde Reindl im Zuge der Bundestrainer-Suche nach dem Krupp-Aus im Sommer als Sportdirektor entmachtet. Der DEB sucht seit Monaten einen Nachfolger und kommt dabei nicht weiter. «Mir hakt es halt daran, dass nicht genug Namen im Spiel sind», schimpfte Harnos.

Der DEB-Boss ist mit dem eigens gegründeten Kompetenzteam, bestehend aus den Liga-Managern Peter-John Lee (Berlin) und Charly Fliegauf (Wolfsburg), DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl und Ex-Nationalspieler Bernd Truntschka nicht zufrieden. Die Sportdirektor-Findungskommission unterbreitete bislang einen Vorschlag. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Truntschka selbst, derzeit Geschäftsführer des Zweitligisten Landshut. «Wenn es in ganz Deutschland nur eine Person gibt, die das kann, dann läuft etwas falsch», polterte Harnos darüber mit rotem Kopf.

Dem DEB-Boss schwebt «eine Persönlichkeit mit Erfahrung im sportlichen Bereich» vor. «Er sollte internationale Erfahrungen haben und in der Lage sein, von der U16 bis zur A-Nationalmannschaft ein einheitliches Spielsystem zu entwickeln», erläuterte Harnos, der einen Mann mit solch einem Profil längst hat: Kölliker. Der langjährige Schweizer Rekordinternationale organisierte bereits in seiner Heimat als Assistent von Krueger die Nachwuchsarbeit.

Dass Kölliker als Bundestrainer und Sportdirektor in Personalunion infrage kommt, hat auch Harnos erkannt. «Wir haben intern darüber gesprochen. Die Diskussionen darüber sind noch nicht zu Ende geführt», sagte der Jurist. Bis Februar soll der Reindl-Nachfolger endlich gefunden sein. Pikanterweise soll Reindl selbst mit über die Personalie entscheiden. Als Harnos dies verkündete, zuckte der Nur-noch-Generalsekretär zusammen. Nicht zum einzigen Mal.